Rheumatoide Arthritis begünstigt Rachenkrebs
In einer großen Kohortenstudie war das Risiko für Pharynxkrebs bei rheumatoider Arthritis doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung. Als mögliche Ursachen gelten chronische Entzündung und persistierende Virusinfektionen.
Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) haben offenbar ein erhöhtes Risiko für Pharynxkarzinome, wie eine koreanische Untersuchung nahelegt. Das Risiko für andere Kopf-Hals-Tumoren war dagegen nicht signifikant erhöht, schreiben Forschende um Dagyeong Lee von der Wonkwang University in Gunpo. Das Team hatte in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie die Daten von knapp 41.000 Personen mit neu diagnostizierter RA und 205.000 gematchten Kontrollen analysiert. Betroffene mit RA wiesen unabhängig vom Serostatus ein um 53 % erhöhtes Risiko für Kopf-Hals-Tumoren auf (adjustierte Hazard Ratio, aHR, 1,53), der Effekt wurde fast ausschließlich von Pharynxkarzinomen getragen (aHR 2,20). Für Mundhöhlen-, Speicheldrüsen- und Larynxkarzinome war das Risiko nicht signifikant gesteigert (aHR 1,02, 1,22 und 1,30).
Dauerhafte Immunaktivierung begünstigt genetische Schäden
Eine mögliche Erklärung für das erhöhte Krebsrisiko ist die chronische systemische Entzündung mit dauerhafter Immunaktivierung, vermuten die Forschenden. Dadurch werden genetische Schäden begünstigt und die Tumorsurveillance beeinträchtigt. Darüber hinaus könnten Veränderungen der T-Zell-Funktion und virusinduzierte lymphoproliferative Prozesse relevant sein. Schlussendlich spielt vermutlich auch die erhöhte Infektanfälligkeit eine Rolle: Für Pharynxkarzinome gelten Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus und dem humanen Papillomavirus als ätiologische Faktoren. Die krankheitsbedingte verminderte Kontrolle persistierender Virusinfektionen könnte daher eine Ursache für die selektive Erhöhung des Risikos für Pharynxkarzinome sein.
Lee D et al. RMD Open 2026; 12: e006480; doi: 10.1136/rmdopen-2025-006480