Romosozumab: Drei Monate reichen offenbar
Drei Monate Romosozumab, gefolgt von Denosumab, lässt die Knochendichte bei postmenopausaler Osteoporose ähnlich stark steigen wie die zwölfmonatige Standardtherapie – bei potenziell geringeren Kosten.
Der zur Behandlung der manifesten Osteoporose zugelassene monoklonale Antikörper Romosozumab verfügt über einen einzigartigen Wirkmechanismus, schreibt ein Team um Dr. Benjamin Leder vom Massachusetts General Hospital in Boston: Er bindet und blockiert das von Osteozyten sezernierte Protein Sklerostin und hemmt nicht nur die Osteoklastenaktivität, sondern stimuliert gleichzeitig die Osteoblastenfunktion.
Etwa 40–50 % aller postmenopausalen Frauen erleiden in ihrem Leben eine Fragilitätsfraktur. Daher setzt die Forschung berechtigte Hoffnungen in Romosozumab: Die zwölfmonatige Behandlung gefolgt von ein bis zwei Jahren antiresorptiver Therapie erhöht die Knochendichte stärker als jede Monotherapie und senkt das Frakturrisiko deutlicher als das am häufigsten angewendete Osteoporosemedikament, das Bisphosphonat Alendronat.
Osteoanabole Wirkung ist in den ersten drei Monaten am stärksten
Allerdings verursacht der Antikörper hohe Kosten und erfordert monatliche Injektionen. Darüber hinaus ist seine osteoanabole Wirkung nicht von Dauer: Die Serumbiomarker der Knochenneubildung steigen zwar initial kurzzeitig stark an, kehren innerhalb der folgenden drei Monate jedoch wieder auf ihren Ausgangswert zurück. Der mäßig stark antiresorptive Romosozumab-Effekt hält dagegen über die gesamte Behandlungsdauer an, lässt sich aber prinzipiell durch andere Wirkstoffe ersetzen. Für eine verkürzte Therapie spricht zudem, dass die kardiovaskuläre Unbedenklichkeit des Antikörpers gegenwärtig nicht zweifelsfrei belegt sei.
Angesichts dieser Überlegungen untersuchten Dr. Leder und sein Team, ob drei Monate Romosozumab möglicherweise ausreichen. Im Rahmen der Studienteilnahme erhielten 24 postmenopausale Frauen mit einer schweren Osteoporose und hohem Frakturrisiko drei Monate lang jeden Monat eine Romosozumab-Subkutaninjektion und in den folgenden neun Monaten zwei Denosumab-Injektionen. Weitere 26 Patientinnen absolvierten ein Jahr lang monatliche Romosozumab-Injektionen. Nach diesem Zeitraum hatte die an der Hüfte gemessene Knochendichte in den beiden Armen um 5,7 bzw. um 6,0 % zugenommen. Dieser Unterschied erfüllte das Kriterium für eine Nichtunterlegenheit der verkürzten gegenüber der Standardbehandlung.
Patientenfreundlich und kostengünstig
Für Dr. Sundeep Khosla vom Mayo Clinic College of Medicine in Rochester hat der neue therapeutische Ansatz erhebliche Vorteile für die Patientinnen und Patienten und ist zudem deutlich kostengünstiger. Die Arbeit unterstreiche allerdings auch die Notwendigkeit, die dahinter liegenden Mechanismen zu entschlüsseln. Es müsse geklärt werden, warum der osteoanabole Effekt verschiedener Wirkstoffe nach kurzer Zeit wieder nachlasse und warum der Knochenmassezuwachs ohne dauerhafte antiresorptive Therapie wieder abgebaut werde.
1. Leder BZ et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2026; doi: 10.1016/S2213-8587(25)00319-5
2. Khosla S. Lancet Diabetes Endocrinol 2026; doi: 10.1016/S2213-8587(25)00323-7