Weniger Opioide, mehr NSAR

Wandel der Schmerztherapie beim Lupus erythematodes

Aus der Fachliteratur
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Gegen Schmerzen im Rahmen eines systemischen Lupus erythematodes werden immer häufiger NSAR, Antikonvulsiva und nichtpharmakologische Interventionen verordnet.

Beim Lupus erythematodes wird die Lebensqualität häufig durch Schmerzen eingeschränkt. Deren oft schwierige Behandlung hat sich in den letzten Jahren verändert. Der Trend geht weg von der Polypharmakotherapie und von Substanzen mit hohem Risiko.

Überschattet von der im Fokus stehenden Krankheitsaktivität werden Schmerzen bei Autoimmunerkrankungen oft weniger beachtet und deshalb nur suboptimal behandelt. Auch Patientinnen und Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) machen vielfach Erfahrungen mit unterschiedlichen pharmakologischen und nichtpharmakologischen Schmerztherapien, die häufig nicht richtig greifen. Die Rate einer Polypharmakotherapie ist hoch und es scheint die Devise von „Versuch und Irrtum“ zu gelten, schreiben ­Nathan ­Le, Stanford University School of Medicine, und sein Team.

Die Forschenden wollten herausfinden, ob sich Verordnungsmuster mit der Zeit geändert haben. Dazu durchforsteten sie die elektronischen Krankenakten von 769 Patientinnen und Patienten mit SLE, die mindestens eine Schmerztherapie erhalten hatten. Dazu zählten Opioide wie Fentanyl, Morphin und Oxycodon, NSAR (Ibuprofen, Naproxen und Meloxicam), Acetaminophen, Antikonvulsiva, Antidepressiva, Muskelrelaxantien, Benzodiazepine und Glukokortikoide. Mittels einer Sequenzanalyse verfolgten sie Änderungen über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr. Außerdem verglichen sie die häufigsten Sequenzen zweier Zeiträume: 2005 bis 2014 und 2015 bis 2024.

Junge Patientinnen und Patienten erhalten heute seltener Schmerzmittel

Insgesamt nahm die Gesamtzahl der verordneten Medikamente von fünf im ersten zu vier im zweiten Zeitraum ab. Die Rate von Kranken mit Polypharmakotherapie, d. h. mit fünf und mehr Verordnungen, sank zudem signifikant von 53 auf 45 %. Steroide und Opioide wurden zwischen 2015 und 2024 weniger häufig verordnet, häufiger dagegen NSAR, Antikonvulsiva und nicht pharmakologische Interventionen. Glukokortikoide erhielten im ersten Zeitraum 58 %, im zweiten 51 %, Opioide entsprechend 28 % bzw. 22 % und NSAR 19 % bzw. 29 % der Kranken. Außerdem fielen Unterschiede bezüglich Alter und Geschlecht auf. In den späteren Jahren erhielten signifikant weniger junge Erwachsene unter 26 Jahren (5,2 %) eine Schmerztherapie im Vergleich zu früher (18,2 %). Das Verhältnis von Männern zu Frauen blieb in etwa stabil mit weniger als 10 % Männern und mehr als 90 % Frauen. Im späteren Zeitraum erhielt aber ein größerer Prozentsatz der Männer (69 %) im Vergleich zu Frauen (43 %) eine Schmerztherapie mit fünf oder mehr Verordnungen, früher war es umgekehrt.

Insgesamt ist das Schmerzmanagement noch suboptimal

Das Schmerzmanagement bei SLE zeichnet sich nach wie vor durch die Verordnung vieler Medikamente aus, dabei geht der Trend aber weg von Therapien mit hohem Risiko, schreiben die Autorinnen und Autoren. Insgesamt scheint die Therapie aber immer noch suboptimal zu sein, was die Linderung von Schmerzen angeht. Darauf weist auch der Umstand hin, dass fast die Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die initial Acetaminophen erhielten, im Verlauf umgesetzt wurden auf intensivere Therapien wie Opioide, Antikonvulsiva und Glukokortikoide.

Die Verordnung von Opioiden hat zwar abgenommen, ist aber immer noch recht hoch und mit der Gefahr einer Überdosierung verbunden. Entsprechende Therapieleitlinien fehlen bislang. Die gewonnenen Erkenntnisse können dabei helfen, einen evidenzbasierten Algorithmus zu entwickeln, um die Effektivität der Behandlung zu erhöhen, hoffen die Forschenden.

Le N et al. ACR Open Rheumatology 2025; doi: 10.1002/acr2.70116

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