Was eine App bei Spondyloarthritis leisten kann
Eine DiGA kann die axSpA-Therapie sinnvoll ergänzen: In einer randomisierten Studie mit 186 Betroffenen verbesserten sich Krankheitsaktivität und Funktion stärker als unter Standardversorgung allein.
Haben krankheitsspezifische Smartphone-Apps einen Nutzen für Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA)? Zu dieser Frage prüfte ein Team um Patrick-Pascal Strunz vom Uniklinikum Würzburg die Effekte einer DiGA im Rahmen einer zwölfwöchigen kontrollierten Studie. Von den 186 eingeschlossenen axSpA-Betroffenen waren 66 % Frauen. Das mittlere Alter der Teilnehmenden betrug 50,6 Jahre und bei 56 % lag eine radiografische axSpA vor. Die am BASDAI* gemessene mittlere Krankheitsaktivität lag bei 5,17. Die Patientinnen und Patienten wurden im Verhältnis 1:1 entweder der DiGA-Gruppe oder der Kontrollgruppe mit Standardversorgung zugeteilt.
Spielerische Elemente sollen die Adhärenz steigern
Bei der DiGA handelte es sich um die CE-geprüfte Axia-App. Diese kombiniert individuell angepasste Bewegungstherapie, Patientenschulung und Instrumente zum Krankheitsmanagement. Gamification-Elemente wie Meilensteine und Punktebelohnung sollen die langfristige Nutzung fördern. Die Intervention wurde als Ergänzung zur Standardversorgung geprüft, wobei die Teilnehmenden ihre antirheumatische Medikation und Physiotherapie während der Studie möglichst konstant halten sollten.
Nach zwölf Wochen war in der DiGA-Gruppe die Krankheitsaktivität signifikant stärker zurückgegangen als unter Standardversorgung allein. Der adjustierte Gruppenunterschied im BASDAI* betrug 1,51. Auch die körperliche Funktion verbesserte sich stärker: Für den BASFI** lag der Gruppenunterschied bei 1,14. Die krankheitsspezifische Lebensqualität steigerte sich ebenfalls stärker als in der Kontrollgruppe.
Alle drei Effekte waren klinisch relevant, betont das Autorenteam. Auch die ASAS20- und ASAS40-Kriterien wurden unter der App deutlich häufiger erreicht (51 % vs. 9 % und 23 % vs. 3 %). Zudem verbesserten sich in der App-Gruppe Schmerzen, die globale Einschätzung der Krankheitsaktivität, die Selbstwirksamkeit und die selbstberichtete Adhärenz bei der Bewegungstherapie stärker. Hinsichtlich der Gesundheitskompetenz zeigte sich dagegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.
Fast 30 % der Teilnehmenden nutzen die App täglich
Die Teilnehmenden verwendeten die App während der 90-tägigen Studienphase durchschnittlich an 69 Tagen. 77,9 % nutzten die App an mindestens fünf Tagen pro Woche, 29,7 % täglich. Fast alle aus der Interventionsgruppe (98,9 %) gaben an, die App weiterhin verwenden zu wollen.
Ohne Placebovergleich und doppelte Verblindung müssen die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden, gibt die Autorengruppe zu bedenken. Zudem basierten die Endpunkte ausschließlich auf patientenberichteten Messgrößen, objektive klinische oder Biomarker-Endpunkte wurden nicht erhoben. Damit lässt sich aus den Daten nicht ableiten, ob die beobachteten Verbesserungen auf eine Veränderung der entzündlichen Krankheitsaktivität oder auf nichtentzündliche Mechanismen zurückzuführen sind, schreiben die Autorinnen und Autoren. Zudem ist unklar, ob die hohe Adhärenz unter Studienbedingungen langfristig im klinischen Alltag aufrechterhalten werden kann.
DiGA könnten Versorgungslücken schließen
Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass digitale Gesundheitsanwendungen bestehende medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungen sinnvoll ergänzen können, schlussfolgert die Arbeitsgruppe. Damit tragen sie dazu bei, die Lücke zwischen leitlinienbasierten Bewegungsempfehlungen und ihrer begrenzten Umsetzung in der Routineversorgung zu schließen.
* Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index
** Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index
Strunz PP et al. Ann RheumDis 2026; 85: 1543-1555; doi: 10.1016/j.ard.2026.02.016
Dr. Sonja Kempinski
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