Effizienter Knochenschutz

Zoledronat als Osteoporose-Prophylaxe bei Frauen

21. Rheumatologie-Update-Seminar
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Zoledronat ließ die Knochendichte der Teilnehmenden in den ersten fünf Jahren der Studie ansteigen.

Mit einer Zoledronatgabe alle fünf bis zehn Jahre lässt sich bei Frauen das Frakturrisiko deutlich reduzieren. Dabei muss keine Osteoporose vorhanden sein.

Eine Kurzinfusion alle fünf Jahre und damit das Frakturrisiko deutlich senken: Das scheint einer über zehn Jahre laufenden Studie nach realisierbar. An der doppelblinden, randomisierten Untersuchung nahmen 1.054 Frauen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren teil. Einschlusskriterium dieser umfassenden Studie war ein T-Score zwischen -2,5 und 0 an LWS, Femurhals und Hüfte. 

Bemerkenswert war, dass die mediane Knochendichte nach WHO-Definition gesund war, betonte PD Dr. ­Philipp Klemm vom Campus Kerckhoff, Universität Gießen. An der Hüfte lag der T-Score median beispielsweise bei -0,51, an der LWS bei -0,45 (1. Grad Osteopenie laut WHO beginnt ab T-Score -1, Osteoporose bei -2,5). Analog zur rheumatoiden Arthritis (RA) und ihrer Frühform, der Prä-RA, sei dies quasi eine Prä-prä-prä-RA, sagte Dr. Klemm.

Die Mehrzahl der Frauen hatte keine Klinik für Osteoporose, die Frakturraten der drei Gruppen lagen zwischen 11 % und 17 %. Die Frauen wurden in drei Behandlungsgruppen randomisiert:

Primärer Endpunkt der Untersuchung war die Anzahl neuer Wirbelkörperfrakturen nach zehn Jahren. In der Zoledronat-Zoledronat-Gruppe kam es dazu in 22 Fällen, unter Zoledronat-Placebo 23-mal und in der Placebo-Placebo-Gruppe 39-mal. „Das ist eine Risikoreduktion um 44 % und wirklich Wahnsinn für ein Kollektiv mit normaler Knochendichte“, unterstrich Dr. Klemm. Ähnlich gute Daten fanden sich bei den schweren osteoporotischen Frakturen mit einer Risikoreduktion von 40 %. Die Number needed to treat betrug 21 bzw. 22 über zehn Jahre. 

 

Schutz durch verringerten Verlust der Knochendichte?

Relevante Nebenwirkungen gab es in dieser Studie nicht, auch die gefürchtete Kiefernekrose trat nicht auf, betonte der Experte. Vereinzelt kam es zu okulären Entzündungen nach der Baseline-Zoledronatgabe, die sich allerdings nicht wiederholten. Eine mögliche Erklärung für den knochenschützenden Effekt liefert die Knochendichte. Unbehandelt verloren die Frauen innerhalb der zehn Jahre etwa 6 % an der LWS und 7 % an der Hüfte.

Die Zoledronat­infusion führte dazu, dass sich die Knochendichte von LWS und Hüfte in den ersten fünf Jahren steigerte und dann nach zehn Jahren auf Baseline-Niveau (LWS) oder etwas darunter (Hüfte) leicht abfiel. Die LWS spricht generell auf die Therapie besser an als die Hüfte, erklärte Dr. Klemm, wobei allerdings die Hüfte in puncto Frakturrisiko wichtiger ist. Insgesamt schien die Knochendichte­protektion unter der zweimaligen Zoledronatgabe am ausgeprägtesten.

Bisphosphonate als Lebensverlängerer?

Die Vorteile von Bisphosphonaten scheinen über die reine Osteologie hinauszugehen. Schon 2018 konnten Reid et al. in einer großen Studie mit 2.000 Frauen feststellen, dass die Gabe von Zoledronat die Mortalität senkt. Unter Zoledronat (vier Infusionen) kam es im Verlauf von sechs Jahren gegenüber Placebo seltener zu Myokardinfarkt (25 vs. 43), Malignomen (87 vs. 127) und Tod (27 vs. 41). Park et al. bildeten dies 2025 in einer großen Studie mit Krankenkassendaten ab. Sie verglichen die Mortalität von knapp 42.000 über 50-jährigen Frauen mit bzw. ohne Bisphosphonatgebrauch/-verschreibung. In der Bisphosphonatgruppe kam es zu 12 Todesfällen/1.000 Patientenjahren, in der Placebogruppe waren es 23. Die Gesamtmortalität wurde um 53 % reduziert. Zu beachten sei Dr. Klemm zufolge, dass es sich um eine Beobachtungsstudie mit verschiedenen Bias handele. So seien Verschreibungen nicht automatisch Einnahmen, es seien Healthy-User-Effekte denkbar und es fehlten Informationen zur Knochendichte. Dr. Klemms Fazit:  Bisphosphonate sollten leitliniengemäß zur Frakturprävention eingesetzt werden. Eine primäre Verordnung zur Verlängerung der Lebenszeit sei noch nicht gerechtfertigt.

Dr. Sonja Kempinski

Dr. Sonja Kempinski ist als freie Autorin für die Medical Tribune und den Fachtitel Medical Tribune Rheumatologie/Schmerz sowie für verschiedene Gesundheitswebsites tätig. Ihre Spezialgebiete sind dabei die Rheumatologie und die Orthopädie, als ehemalige Chefredakteurin einer Zeitschrift für Allgemeinmediziner liegen ihr aber auch hausärztliche Themen am Herzen.

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