Ärztin im humanitären Einsatz

Zwischen MVZ-Alltag und Krisengebiet

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Die Rheumatologin Dr. Friederike Lutz tauscht den Komfort ihrer Arbeit in einem MVZ regelmäßig gegen einfachste Bedingungen in humanitären Krisengebieten.

Rheumatologin Dr. Friederike Lutz pendelt zwischen Hightech-Medizin in München und Notfallmedizin unter Extrembedingungen. Ihre Auslandseinsätze in Uganda, im Libanon und auf den Philippinen prägen ihren Blick auf das Gesundheitssystem nachhaltig.

Die Rheumatologin Dr. Friederike Lutz tauscht den Komfort ihrer Arbeit in einem MVZ regelmäßig gegen einfachste Bedingungen in humanitären Krisengebieten. Im Podcast „O-Ton Innere Medizin“ berichtet sie, wie die Einsätze in Uganda, im ­Libanon oder auf den Philippinen ihren Blick auf die hiesige ­Medizin verändern.

Wenn für ein Kind mit epileptischem Anfall kein Diazepam-Zäpfchen vorhanden ist, bleibt nur, es zwischen zwei Erwachsene auf ein Motorrad zu setzen und dann geht es über unbefestigte Straßen ins nächste Krankenhaus“, schildert die Rheumatologin Dr. Friederike Lutz eine Situation aus ihrem humanitären Einsatz in Uganda. „Solche Fälle bleiben einem schon in Erinnerung.“

Die Ärztin arbeitet in einem Münchner MVZ, schon seit vielen Jahren leistet sie aber für Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder German Doctors medizinische Hilfe in humanitären Auslandseinsätzen. Sie war unter anderem in Kenia, auf den Philippinen, im Libanon und im ehemaligen Flüchtlingslager Moria. „Man arbeitet komplett analog“, erklärt sie. Statt digitaler Patientenakten gibt es Notizen auf Papier, statt fließend Wasser manchmal nur einen Brunnen und statt eines breiten Arzneimittelsortiments eine einfache Auswahl von Medikamenten, die auf der Basismedikamentenliste der WHO stehen.

Europäische Ärztin wird akzeptiert

Die Einheimischen würden das medizinische Angebot meist gut annehmen, berichtet Dr. Lutz. Sie selbst habe anfangs Sorge gehabt, als weiße, europäische Ärztin nicht akzeptiert zu werden – doch diese Zweifel hätten sich schnell als unbegründet erwiesen. Die Menschen seien trotz widrigster Lebensumstände oft dankbar und positiv eingestellt. „Diese gewisse Dankbarkeit für das, was es gibt, das würde ich mir manchmal hier auch wünschen“, reflektiert sie.

Neben vertrauten Krankheitsbildern ist sie immer wieder mit tropischen Erkrankungen wie Malaria konfrontiert. Besonders würden sich aber tragische Todesfälle einprägen, die in Deutschland vermeidbar wären. So erinnert sich Dr. Lutz an ein Mädchen mit schwerer Herzinsuffizienz nach rheumatischem Fieber.

Die Sicherheitslage in den Einsatzgebieten kann schwierig sein. Während ihres Aufenthalts im Libanon habe es Schießereien gegeben, erinnert sich die Ärztin. Um mit solchen Situationen umgehen zu können, absolviere man vorab Sicherheitsschulungen. Sie habe etwa gelernt, wie man Militärkon­trollpunkte passiert oder wie sie sich auf den Philippinen verhalten muss, wenn ein Taifun droht.

Die Rückkehr nach Deutschland fühlt sich für die Rheumatologin oft wie ein Kulturschock an. Das Gesundheitssystem empfinde sie dann als „sehr aufgebläht“, berichtet sie. Die Erfahrung der Reduktion auf das Wesentliche schenke ihr jedoch Gelassenheit im Umgang mit den Patientinnen und Patienten in München.

In kleineren Einsätzen testen, ob einem diese Arbeit liegt

Für Ärztinnen und Ärzte, die ebenfalls über einen humanitären Einsatz nachdenken, hat sie einen klaren Rat: „Haben Sie den Mut, es zu tun.“ Man müsse nicht gleich mit einem Jahresprojekt starten, sondern könne mit kleineren Einsätzen beginnen, um herauszufinden, ob diese Arbeit einem liegt.

Wie Dr. Lutz mit der emotionalen Belastung während der Einsätze umgeht und wie sie die Hilfsprojekte mit ihrem Arbeitgeber vereint, hören Sie in der vollständigen Folge des Podcasts „O-Ton Innere Medizin“.

 

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