Die Erkrankung ist viel häufiger, als man denkt
Wenn Patientinnen und Patienten mit Kopfschmerzen in die Hausarztpraxis kommen, wird oft ein Spannungskopfschmerz diagnostiziert. An eine Migräne denken die wenigsten. Dabei ist sie weit häufiger, als viele vermuten, und zeigt sich oft mit ganz unterschiedlichen Beschwerden. Im Podcast erklärt eine Migräneexpertin, warum die Erkrankung so oft fehldiagnostiziert wird und worauf Hausärztinnen und Hausärzte künftig stärker achten sollten.
Migräne ist der häufigste Grund für eine Vorstellung in der Hausarztpraxis oder Notaufnahme. In vielen Fällen werde die Diagnose aber nicht korrekt gestellt, erklärt Professor Dr. Dagny Holle-Lee, Westdeutsches Kopfschmerz- und Schwindelzentrum, Essen, im Podcast O-Ton Allgemeinmedizin. Sie erlebt es häufig, dass Kolleginnen und Kollegen angeben, keine Patientinnen und Patienten mit Migräne in ihrer Praxis zu betreuen, sondern ausschließlich solche mit Spannungskopfschmerz.
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„Das ist in den meisten Fällen eine Fehldiagnose“, so die Expertin. Zwar sei der Spannungskopfschmerz häufig, allerdings gehe er nicht mit einer Krankheitseinstufung einher. „Niemand setzt sich in eine Arztpraxis und wartet auf einen Termin, um über seinen Spannungskopfschmerz zu sprechen – weil der in aller Regel gar nicht so schwer wird, dass er relevant ist fürs Leben.“ Grundsätzlich empfiehlt sie: Wenn sich jemand mit Kopfschmerzen in der Praxis vorstellt, sollte man immer zuerst an Migräne denken.
Da die Erkrankung viele Gesichter haben kann, ist es wichtig, auch bei Symptomkonstellationen daran zu denken, die nicht dem klassischen Muster entsprechen. Während bei den einen der Kopfschmerz im Vordergrund steht, klagen andere eher über vegetative Begleitsymptome wie Schwindel, Übelkeit oder Brainfog. Dazu kommt, dass sich die Erkrankung im Lauf des Lebens häufig wandelt. „Die Veränderung ist das Normale bei der Migräne“, so Prof. Holle-Lee. Das mache es einerseits kompliziert für Betroffene und Behandelnde. Andererseits sei das auch ein Grund für Hoffnung. Denn wenn eine Patientin oder ein Patient gerade eine schlechte Phase hat, könne man ihr oder ihm garantieren, dass auch diese Phase wieder aufhören wird.
Im Podcast erklärt die Migräne-Expertin u. a., was es bei Frauen mit Kinderwunsch zu beachten gilt, warum die Erkrankung bei Männern häufig nicht diagnostiziert wird und wieso es so wichtig ist, das Thema Migräne in der Öffentlichkeit stärker in den Fokus zu nehmen.
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