Therapie in anderen Umständen

Migräne in der Schwangerschaft: Was jetzt hilft

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Eine Schwangerschaft kann die Migränesymptome überraschend abmilden – doch Therapie und Risikoabwägung bleiben anspruchsvoll.

Eine Schwangerschaft kann die Migränesymptome überraschend abmilden – doch Therapie und Risikoabwägung bleiben anspruchsvoll. Welche Medikamente bleiben erlaubt, wo lauern Risiken?

Viele Frauen mit Kinderwunsch verzichten aufgrund einer Migräne auf eigenen Nachwuchs. Sie fürchten zunehmende Schmerzen oder Medikamentenschäden. Doch Schwangerschaft und Migräne vertragen sich oft erstaunlich gut – wenn Indikation und Wirkstoff stimmen und die Patientinnen gut betreut werden.

Es gibt kein Medikament zur Migränetherapie, das sich so stark auf eine Schwangerschaft auswirken könnte, dass ein Abbruch gerechtfertigt wäre. Dennoch sind die verschiedenen Pharmaka zur Prophylaxe und Therapie der Mi­gräne mit unterschiedlichen Risiken für den Fötus assoziiert, schreibt ein Autorenteam um PD Dr. ­Askan Schultze-­Mosgau vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Anders als oft befürchtet, bessert sich die Migräne grundsätzlich bei etwa 50–80 % der Frauen nach Eintritt einer Schwangerschaft, was v. a. für die Migräne ohne Aura gilt. Nur 8 % klagen über stärkere Beschwerden. Grund für die Besserung der Migräne ist die erhöhte Schmerzschwelle infolge der angestiegenen Opioid- und Östrogenspiegel bei Schwangeren. Auch die weniger ausgeprägten Hormonschwankungen können eine Rolle spielen.

Eine Migräneprophylaxe ist während der Schwangerschaft meist nicht nötig. Zwar liegen keine Daten aus kontrollierten Studien vor, aber den Schwangerschaftsregistern zufolge können Betablocker sowie Amitriptylin zur Prophylaxe zum Einsatz kommen. Werden Betablocker über längere Zeit genommen, sollte man das Wachstum des Fötus sonografisch überwachen. Bei Frühgeborenen, die im Mutterleib Betablockern ausgesetzt waren, können kurz nach der Geburt zeitweilig Anpassungsstörungen mit Bradykardie, Hypoglykämie, selten Hypotonie oder Atemstörungen auftreten.

Klinik mit neonatologischer Station bevorzugen

Auch bei Einnahme von Ami­triptylin wird wegen möglicher neurologischer, gastrointestinaler oder respiratorischer Probleme zur postpartalen Überwachung geraten. Die Geburt sollte am besten in einer Klinik mit neonatologischer Station erfolgen. Um mögliche Anpassungsstörungen zu vermeiden, kann Amitriptylin eine bis zwei Wochen vor dem Geburtstermin ab- und dann wieder angesetzt werden. Während ihrer Schwangerschaft ist die Patientin sorgfältig gynäkologisch und psychologisch zu betreuen.

Flunarizin, Opipramol und Botulinumtoxin A sollte man besser meiden. Klar kontraindiziert zur Migräneprophylaxe bei Schwangeren sind Valproat, Topiramat, Anti-CGRP*-Antikörper sowie, v. a. im 2. und 3. Trimester, ACE-Hemmer und Sartane. Unterstützend können nichtmedikamentöse Verfahren wie Akupunktur, Biofeedback oder Entspannungsübungen helfen. Von Magnesium zur Prophylaxe wird bei Schwangeren abgeraten, da die intravenöse Gabe im Verdacht steht, Knochenschäden beim Kind zu verursachen.

In Bezug auf die medikamentöse Akuttherapie einer Migräne bei Schwangeren finden sich in der entsprechenden S1-Leitlinie verschiedene Empfehlungen: Ibuprofen stellt ein Analgetikum der Wahl in den ersten beiden Trimestern dar, Acetylsalicylsäure wird in diesem Zeitraum als zweite Wahl angesehen. Beide Präparate sind jedoch im letzten Schwangerschaftsdrittel zu meiden. Triptane fehlt zum Einsatz in der Schwangerschaft zwar die Zulassung, umfangreiche Studien lieferten allerdings keinerlei Hinweise auf gehäufte fötale Fehlbildungen oder erhöhte Abortraten. Falls ein Triptan erforderlich wird, ist laut dem Autorenteam Sumatriptan zu bevorzugen.

Paracetamol sollte man nicht verwenden. Es ist neueren Untersuchungen zufolge bei intrauteriner Exposition u. a. mit Fehlbildungen im Bereich des Urogenitaltrakts assoziiert, möglicherweise führt es auch zu neurologischen Entwicklungsstörungen. Metamizol kommt nicht zum Einsatz, im 3. Trimenon besteht ein Anwendungsverbot. Ergotamine sind ebenfalls kontra­indiziert.

Bei der Beratung von Schwangeren mit Migräne ist grundsätzlich zu beachten, dass bestimmte Erkrankungen bei Mutter und Kind gehäuft auftreten können. Ursache ist, dass sowohl die Migräne als auch eine Schwangerschaft selbst eine Hyperkoagulopathie mit sich bringen können, wodurch das Risiko für kardiovaskuläre bzw. thromb­o­embolische Komplikationen steigt. Studien zufolge weisen Schwangere mit Migräne im Vergleich zu solchen ohne die Erkrankung eine um 50 % höhere Rate an Schwangerschaftshypertonien auf. Präeklampsien oder Eklampsien sind um 42 %, Fehlgeburten um 10 % häufiger festzustellen. Neugeborene von Mi­gränepatientinnen müssen im ersten Lebensmonat häufiger stationär oder intensivmedizinisch behandelt werden. Eine Zunahme von Totgeburten nach der 22. Schwangerschaftswoche wurde nicht beobachtet.

*Calcitonin Gene-Related Peptide

Schultze-Mosgau A et al. neuro aktuell 2025; 10: 37-45

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