Sportmedizin für Kinder

Worauf es bei Kindern vor dem Wettkampftraining ankommt

Aus der Fachliteratur
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Insbesondere bei ästhetischen Sportarten wie Kunstturnen tritt ein relatives Energiedefizit im Sport (RED-S) häufiger auf.

Die Kindersportmedizin beurteilt die Belastbarkeit gesunder Kinder vor intensivem Training. Zugleich klärt sie Beschwerden beim Sport und lotet aus, was bei chronischen Erkrankungen möglich und sinnvoll ist.

Sportschulen oder Vereine fordern häufig eine Tauglichkeitsuntersuchung, bevor mit einem Wettkampftraining begonnen werden kann, schreibt Dr. Holger Förster, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Sportarzt aus Salzburg. Welche Schwerpunkte die Untersuchung hat, hängt von der Sportart ab. In jedem Fall sind Größe, Gewicht und BMI zu erfassen. Ein niedriger BMI kann beispielsweise ein Hinweis auf ein relatives Energiedefizit im Sport (RED-S) sein. Insbesondere bei ästhetischen Sportarten wie Eiskunstlauf oder Kunstturnen tritt das Syndrom häufiger auf.

Welchen Einfluss hat die biologische Reife?

Zudem spielt die biologische Reife eine Rolle, die insbesondere in der Pubertät deutlich vom Alter abweichen kann. Bei der Einteilung in Trainingsklassen, die sich meist am Alter orientiert, sind Spätentwickler oft massiv überfordert. Frühentwickler dagegen meistern die Anforderungen so mühelos, dass sie ihr Techniktraining manchmal vernachlässigen.

Um die körperliche Entwicklung zu erfassen, sind die Tannerstadien, die Mirwald-Methode, in die auch die Sitzgröße eingeht, sowie das radiologische Knochenalter hilfreich. Besonders wichtig ist neben der internistischen die orthopädische Screening-Untersuchung. Häufig findet man Muskelverkürzungen, Fußdeformitäten, Beinachsenfehler sowie Haltungsschwäche oder -schäden. Ein besonderes Augenmerk verdienen die tonischen Muskeln, die zur Verkürzung neigen, wie Iliopsoas, M. quadriceps, Wadenmuskulatur und M. pectoralis. Sie sollte man auf ihre Dehnfähigkeit prüfen. Phasische Muskeln wie Bauch- und Gesäßmuskeln, M. deltoideus und Mm. rhomboidei dagegen neigen zur Abschwächung und müssen einer Kraftprüfung unterzogen werden.

Nahrungsergänzungsmittel sind nur sinnvoll bei nachgewiesenen Mangelzuständen

Auch die Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel sollten bei der Sportuntersuchung thematisiert werden. Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist riesengroß, betont der Sportarzt und warnt vor Missbrauch. Etwa 40 % aller Kinder bekommen Vitamine oder immunstimulierende Substanzen, sporttreibende Kinder noch häufiger. Sinnvoll sind diese Substanzen aber nur bei nachgewiesenen Mangelzuständen, die selten vorkommen. Aufklärung tut also Not.

Je nach eigener Sportaffinität kann die Ärztin oder der Arzt auch eine individuelle Trainingsberatung anbieten und einen Trainingsplan erstellen. Die stufenweise Erhöhung des Trainingsumfangs sollte sich möglichst über Jahre erstrecken. Auch Krafttraining ist schon bei Kindern möglich, sollte dann aber hauptsächlich Koordination und Technik beinhalten und weniger Muskelaufbau.

Das EKG ist eine sinnvolle Zusatzuntersuchung. Zu achten ist vor allem auf Rhythmusstörungen (z. B. Long-QT-Syndrom) und Präexzitationssyndrome. Nicht alles, was beim Erwachsenen pathologisch ist, muss auch bei Kindern weiter abgeklärt werden, und einige Veränderungen gelten im sportmedizinischen Screening als Normvarianten. Als harmlos gelten nach den Seattle-Kriterien:

Auf eine Spirometrie und auf Laboruntersuchungen von Blut und Urin dagegen kann man bei leerer Anamnese und fehlenden Hinweisen auf eine Mangelernährung verzichten.

Wie man Beschwerden, die bei körperlicher Anstrengung auftreten, abklärt

Eine spezielle Abklärung erfordern Symptome, die bei körperlicher Belastung auftreten. Bei Atemnot empfiehlt sich eine Ergometrie am Laufband oder Fahrrad. In der Praxis würde Dr. Förster dem Fahrrad den Vorzug geben, weil es im Vergleich zum Laufband günstiger, platzsparender und leiser ist. Oft steckt hinter der Atemnot ein Trainingsmangel, aber auch ein Anstrengungsasthma ist möglich. Die Diagnose darf man stellen, wenn in der Ergometrie nach sechs Minuten bei einer Herzfrequenz von ca. 80 % der Maximalfrequenz das FEV1 um mehr als 13 % abfällt. Eine lange Nachbelastungskontrolle ist notwendig, weil es auch noch nach 20 Minuten dazu kommen kann. Die Vocal Cord Dysfunction ist aufgrund des inspiratorischen Stridors leicht vom Asthma abzugrenzen. Außerdem geben die Betroffenen hierbei oft an, dass die Symptome bei Stresssituationen auftreten.

Brustschmerzen unter Belastung sind meist muskuloskelettalen und nicht kardialen Ursprungs. Rhythmusstörungen unter Belastung müssen abgeklärt werden. Beim Verdacht auf eine systemische Muskelerkrankung empfiehlt sich eine Laktatdiagnostik.

Die Frage, inwieweit ein Kind mit einer chronischen Erkrankung Sport treiben darf, stellt sich oft bei Übergewicht bzw. Adipositas. Hierbei gilt es, einen passenden Sport zu finden, an dem das Kind Freude hat. Auch bei Asthma, Mukoviszidose, Herzfehlern oder Diabetes ist Sport möglich und sinnvoll, erfordert aber als Grundlage wieder eine Ergometrie mit Überwachung von EKG, Blutdruck und Sauerstoffsättigung, so der Experte.

Förster H. Kinder- und Jugendärzt*in 2026; 57: 160-163

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert ist approbierte Ärztin mit Berufserfahrung im Medizinbereich (Kinderklinik und Praxen niedergelassener Pädiater und Allgemeinärztinnen/Allgemeinärzte). Seit 2024 als freie Autorin tätig.

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