App-basierte Therapie lindert LUTS
Eine app-basierte Physiotherapie verbessert Beschwerden des unteren Harntrakts bei Männern effektiv. Der größte Benefit der DiGA zeigte sich in den Bereichen Miktionsfrequenz, Nykturie und Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung.
Patienten mit Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) können von einem strukturierten App-basierten Therapieangebot profitieren. In einer prospektiven, einfach verblindeten randomisierten Untersuchung erwies es sich als eindeutig wirksam, berichtete der Urologe Prof. Dr. Christian Gratzke vom Universitätsklinikum Freiburg, Erstautor der Studie.
Von den teilnehmenden 237 Männern im Durchschnittsalter von 58,4 Jahren hatten 46,4 % ausschließlich eine vergrößerte Prostata und 31,2 % eine überaktive Blase. In den verbleibenden Fällen waren beide Krankheitsentitäten vorhanden. Entweder bekamen die Patienten die übliche medizinische Versorgung oder zusätzlich Zugang zur DiGA-App Kranus Lutera, die es u. a. ermöglichte, ein Miktionstagebuch zu führen und ein Blasen- bzw. Beckenbodentraining sowie Entspannungsübungen durchzuführen.
Größter Benefit unter anderem bei Miktionsfrequenz und Nykturie
Innerhalb von zwölf Wochen ging der IPSS* bei den App-Patienten um 7 Punkte zurück. „Dies entspricht der Verbesserung durch Tamsulosin“, erklärte Prof. Gratzke. In der Kontrollgruppe blieb der Wert dagegen unverändert. Auch bei den sekundären Endpunkten Symptomlast und gesundheitsbezogene Lebensqualität, die mittels OAB-q-SF** Teil 1 und 2 erfasst wurden, zeigten sich deutliche Vorteile durch die App.
Wie eine Post-hoc-Analyse der Ergebnisse ergab, fiel die Verbesserung der Speichersymptome stärker aus als die Reduktion der Entleerungsbeschwerden. Der größte Benefit des App-gestützten Trainings zeigte sich in den Bereichen Miktionsfrequenz, Nykturie und Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung. „Physiotherapie hat bei milder Symptomatik wirklich einen Stellenwert“, betonte der Urologe. Es sei sinnvoll, sie vor Beginn einer medikamentösen Therapie einzusetzen. Aber auch bei Männern, die bereits Medikamente erhalten, könne sie noch zu Besserungen führen.
* International Prostate Symptom Score
** Overactive Bladder Questionnaire – Short Form