Mit erektiler Dysfunktion zur Kardio-CT
Potenzstörungen gelten als Warnsignal für die kardiovaskuläre Gesundheit. Eine urologische Leitlinie fordert bei erektiler Dysfunktion daher eine sorgfältige Diagnostik. In manchen Fällen heißt das, eine Kardio-CT zu veranlassen.
Bei einem Patienten mit erektiler Dysfunktion (ED) gilt es, eine medizinische und psychosexuelle Anamnese zu erheben, ihn körperlich zu untersuchen, den Blutdruck zu messen und Labortests durchzuführen. Laut EAU*-Leitlinie sollte man in jedem Fall Nüchternblutzucker bzw. HbA1c und das Lipidprofil bestimmen, sofern die Werte nicht schon in den vorangegangenen zwölf Monaten gemessen wurden.1 Von den Hormonen ist das Gesamttestosteron (nüchtern) relevant, ggf. auch das bioverfügbare oder freie Testosteron.
Klare Vorgaben gibt es, wenn sich – wie in den allermeisten Fällen – eine vaskuläre Genese herausstellt. Man weiß, dass die ED einem kardialen Ereignis um 8–10 Jahre vorausgeht, erklärte Dr. Christian Leiber-Caspers vom Krankenhaus Maria-Hilf in Krefeld. Bei jedem Betroffenen sollte daher das kardiovaskuläre Zehn-Jahres-Risiko ermittelt werden. Dies gelingt mithilfe des ASCVD**-Scores des American College of Cardiology und der American Heart Association. Berücksichtigt werden darin Alter, Geschlecht, Ethnie, Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, Blutdruck, antihypertensive Therapie, Diabetes mellitus und Rauchen.
Kardio-CT wird für zwei Patientengruppen empfohlen
Bei Männern zwischen 40 und 60 Jahren unterschätzt der Score allerdings latent die Gefahr, betonte der Kollege. Die EAU fordert deshalb, zusätzlich eine native Kardio-CT durchzuführen, um den Koronararterien-Kalzium-Score (CAC) zu bestimmen. Dieser sei derzeit der beste Marker, um eine subklinische KHK zu erkennen, so der Kollege.
Die Empfehlung zur CT betrifft zwei Gruppen:
Patienten mit niedrigem 10-Jahres-Risiko (< 5 %), aber definitiv vaskulär bedingter ED
Patienten mit grenzwertigem bis mittlerem Risiko (5–20 %)
Bei einem CAC von 0 genügt es, den Betroffenen einen gesünderen Lebensstil ans Herz zu legen. Erreicht der CAC einen Wert zwischen 1 und 100, empfiehlt sich die Verordnung eines Statins mit dem Ziel, das LDL < 70 mg/dl zu drücken. Ggf. sollte eine Kollegin bzw. ein Kollege aus der Kardiologie konsultiert werden. Ein CAC > 100 erfordert evtl. zusätzlich ASS und auf jeden Fall die Überweisung zur Kardiologie. Wenn man den urologischen Leitlinien strikt folgt, wird das Management von Patienten mit erektiler Dysfunktion erheblich aufwendiger und teurer, erklärte Dr. Leiber-Caspers. Die Kardio-CT lasse sich abrechnungstechnisch wahrscheinlich nur bei Privatversicherten umsetzen.
Der Kollege verordnet Hochrisikopersonen zunächst keinen PDE-5-Hemmer. Er schickt sie primär in eine kardiologische Praxis. Bei denjenigen mit grenzwertigem bis mittlerem 10-Jahres-Risiko genügen aus seiner Sicht womöglich ein Belastungs-EKG und klinische Aspekte, um die Leistungsfähigkeit zu ermitteln.
* European Association of Urology
** Atherosclerotic Cardiovascular Disease
1. Salonia A et al. Eur Urol 2025; 88: 76-102; doi: 10.1016/j.eururo.2025.04.010