Bei den Enhanced Games in Las Vegas soll Doping gefeiert werden - und plötzlich scheint die Idee auch für die deutsche Arbeitswelt verlockend. Die CDU träumt schon von „Enhanced Work“. Eine Glosse.
Die Idee ist so gut, sie könnte glatt aus dem CDU-Parteiprogramm stammen: Bei den Enhanced Games in Las Vegas treten gedopte Athletinnen und Athleten legal gegeneinander an, um zu zeigen, wie viel ein Mensch wirklich aus sich rausholen kann. Mit ärztlich kontrolliertem Doping zu mehr Leistung. Dieses Konzept würde das Problem der mangelnden Arbeitsmoral in Deutschland im Weltrekordtempo lösen.
Man nehme den stockenden Wohnungsbau. Ein anabolikadurchsetzter Bauarbeiter kann Großprojekte locker mit einer Hand stemmen. Auch verspätete Postsendungen sind Geschichte, wenn die Zustellerin nach frischer Eigenbluttransfusion von Briefkasten zu Briefkasten flitzt. „Wir müssen unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig machen“, sagte Friedrich Merz kürzlich im Bundestag. Da blitzt der sportliche Ehrgeiz ja schon durch. Wer braucht noch den olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles“? Heraufbeschworen wird der neue Leistungsgeist „Möge der Verbesserte gewinnen“.
Lifestyle-Teilzeit bleibt eine denkbare Disziplin
Und da der Enhanced-Sport abseits der Anti-Doping-Regularien läuft, können verbesserte Berufstätige die Hürden des Arbeitszeitgesetzes leicht überwinden. Selbst Lifestyle-Teilzeit bleibt eine denkbare Disziplin. Mit Stimulanzien im Frühstücksmüsli lassen sich die Aufgaben doppelt so schnell wegschaffen. So haben Eltern genug Zeit für das allnachmittägliche Wellnessprogramm, Arbeitgeber bekommen die volle Produktivität zum halben Preis und Deutschland biegt in Sachen Wettbewerbsfähigkeit auf die Zielgerade ein. Eine klassische Win-win-win-Situation.
Die zahlreichen positiven gesundheitlichen Nebeneffekte nicht zu vergessen. Wer sich unter ärztlicher Aufsicht EPO spritzt, kann sich die Influenzavakzine gleich mit abholen. Die Impfquote steigt, der Krankenstand sinkt. Modediagnosen wie Burnout und andere Überlastungserscheinungen werden ebenfalls weggedopt. Alle sind wieder heiß auf Arbeit – und packen ihre Rennräder aus, um in alter Dopingtradition Tour-de-France-mäßig zum Büro zu sprinten. Das führt langfristig sogar zu einem Enhancement im Klimaschutz: Autos werden als meistgenutzte Verkehrsmittel vom Treppchen gestoßen. Wobei, so weit würde die CDU in ihrem Parteiprogramm dann wohl doch nicht gehen.