Ungleichheit beim Wiedereinstieg in den Job

Soziale Schere nach Krebs bleibt groß

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Der Wiedereinstieg nach Krebs gelingt nicht allen gleichermaßen und braucht gezielte Unterstützung.

Daten der Deutschen Krebsgesellschaft zeigen: Der berufliche Wiedereinstieg nach einer Krebserkrankung gelingt nicht allen gleich. Ein entscheidender Faktor im Verlauf ist der sozioökonomischen Status. Die DKG will gegenarbeiten.

Etwa 35 % der Krebspatient:innen sind im erwerbsfähigen Alter. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) wollen 90 % von ihnen nach der Erkrankung wieder arbeiten. Doch die Daten zeigen auch: Nach der Rehabilitation sind 84 % zunächst arbeitsunfähig. Ein Jahr später gelingt nur 61 % der Wiedereinstieg. Langzeitfolgen wie Fatigue, Konzentrationsstörungen oder Polyneuropathien beeinträchtigen häufig die Leistungsfähigkeit.

Dabei belegen Analysen der DKG auf Basis von Daten der Deutschen Rentenversicherung deutliche Unterschiede nach Beruf und Bildungsniveau. Menschen in körperlich fordernden oder wenig flexiblen Tätigkeiten, wie im Handwerk oder in der Pflege, kehren deutlich seltener und später zurück als Fach- und Führungskräfte mit höherer Autonomie. „Personen mit höherer Bildung und Einkommen sind häufiger, früher und länger erwerbstätig“, erläuterte Johannes Soff, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Versorgungsforschung der DKG, auf dem Deutschen Krebskongress 2026.

Bei Brustkrebspatientinnen zeigt sich der soziale Gradient besonders deutlich: Frauen in Dienstleistungsberufen verbringen innerhalb von fünf Jahren nach der Rehabilitation im Schnitt sechs Monate weniger in Erwerbstätigkeit als Führungskräfte. Ihre Rückkehrwahrscheinlichkeit liegt 19 % unter dem Durchschnitt, bei Führungskräften 22 % darüber.

Frühzeitige Unterstützung ist entscheidend

Früh ansetzende Maßnahmen sind zentral, um dauerhafte Erwerbslosigkeit zu vermeiden. Im DKG-Projekt CARES wurden Berater:innen von Krebsberatungsstellen zu Berufslots:innen fortgebildet, um Betroffene gezielt bei der Reintegration zu begleiten. Die Evaluation zeigte weniger Stress, höhere Zufriedenheit mit der beruflichen Situation und geringeres Überforderungserleben.

Das Anschlussprojekt QV-CARES soll die Qualität der Beratungsprozesse sichern und bislang schwer erreichbare Gruppen wie Männer oder Beschäftigte in handwerklichen Berufen besser einbinden.

Bedarf an langfristiger Finanzierung

DKG-Generalsekretär Dr. Johannes Bruns betont die Bedeutung einer stabilen Finanzierung psychosozialer Krebsberatungsstellen: „Wir müssen vor allem Menschen in nichtakademischen Berufen frühzeitig unterstützen.“ Nur so lasse sich das Ziel der Europäischen Säule sozialer Rechte – eine Erwerbstätigenquote der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren von 78 % bis 2030 – auch für Krebsüberlebende erreichen.

Pressemitteilung – DKG

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