Früherkennung für starke Raucher:innen startet
Ab April 2026 beginnt in Deutschland das strukturierte Lungenkrebs-Screening für starke Raucher:innen. Ziel ist die frühzeitige Tumorerkennung per Low-Dose-CT – eine Maßnahme, die Leben retten und Rauchstopp fördern soll.
Das neue Lungenkrebs-Screening-Programm richtet sich an ehemalige und aktive starke Raucher:innen. Die Eingangskriterien erfüllen rund 5,5 Millionen Menschen in Deutschland, sagte Prof. Dr. Torsten Bauer, Chefarzt Klinik für Pneumologie, Lungenklinik Heckeshorn, auf dem 65. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Lungenkarzinomen mittels Niedrigdosis-CT, bevor Symptome auftreten.
Das Screening ist ab 1. April 2026 Teil der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des G-BA und wird von der GKV übernommen. Eine Untersuchung mittels Low-Dose-CT kann bei aktiven oder ehemaligen starken Raucher:innen zwischen 50 und 75 Jahren einmal jährlich durchgeführt werden.
Teilnahmeberechtigt sind Personen, die mindestens 25 Jahre ohne längere Unterbrechung geraucht haben und einen Konsum von mindestens 15 „Packungsjahren“ (Zahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen multipliziert mit der Zahl der Raucherjahre) aufweisen. Die Eignung muss durch eine Ärztin oder einen Arzt für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin festgestellt und dokumentiert werden. Hausärzt:innen sollen zudem die Versicherten mithilfe einer G-BA-Information über das Verfahren beraten und bei Vorliegen der Kriterien an Radiolog:innen überweisen.
Pneumolog:innen nehmen Schlüsselrolle ein
Pneumolog:innen übernehmen eine zentrale Rolle, denn sie identifizieren geeignete Teilnehmer:innen, führen Aufklärungsgespräche und motivieren zur Raucherentwöhnung, betonte Prof. Dr. Torsten-Gerriet Blum, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin, auf dem DGP-Kongress. Etwa die Hälfte der Screening-Teilnehmenden sind aktive Raucher:innen. Die Evidenz zeige jedoch, dass bis zu 30 % der untersuchten Personen in dieser Phase erfolgreich mit dem Rauchen aufhören.
Ärzt:innen müssen zur Teilnahme eine 45-minütige Online-Schulung absolvieren, die ab dem 13. April verfügbar ist. Sie müssen zudem gegenüber ihrer KV nachweisen, dass sie Kenntnisse in der Lungenkrebs-Früherkennung erworben haben – entweder im Rahmen der Facharztweiterbildung oder durch Fortbildung.
Es stehen auch zwei neue extrabudgetär bezahlte EBM-Abrechnungsziffern bereit: Erstellung eines Berichts: GOP 01875 (4,97 Euro / 39 Punkte) sowie Erstberatung zur Teilnahme an der Früherkennung von Lungenkrebs: GOP 01876 (11,08 Euro / 87 Punkte).
Screening erfolgt nur in zertifizierten Praxen
Das eigentliche Screening erfolgt in radiologischen Praxen mit spezieller Qualifikation. Die Auswertung der Niedrigdosis-CTs erfolgt nach gesetzlich vorgegebenen Algorithmen unter verpflichtender Nutzung von KI-gestützten Verfahren und Zweitbefundung.
Radiolog:innen, die die Früherkennungsuntersuchung durchführen, benötigen eine Genehmigung ihrer KV und müssen eine spezielle Fortbildung zur Lungenkrebs-Früherkennung absolvieren. Zudem müssen sie ausreichende Erfahrung in der Thoraxdiagnostik nachweisen und die Befundung mit geeigneter Software unterstützen.
Radiologische Praxen dürfen nur teilnehmen, wenn sie Kooperationsverträge mit auf Lungenkrebs spezialisierten Zentren abschließen. Diese Zentren übernehmen die Zweitbefundung und ggf. die Weiterleitung an spezialisierte Behandlungseinrichtungen. Datenschutz und IT-Schnittstellen stellen laut Dr. Bauer noch Herausforderungen dar, sollen aber über standardisierte Verfahren gelöst werden.
Die KBV hat Informationen zum Lungenkrebs-Screening bereit gestellt.