Pharmazeutische Dienste lohnen sich kaum
Pharmazeutische Dienstleistungen sollten die Versorgung stärken. Doch laut aktueller Studie schreiben viele Apotheken Verluste – und Ärzt:innen laufen Sturm gegen die Ausweitung.
Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL), wie Medikationsanalysen, Blutdruckmessungen und Beratungen zu Tabakentwöhnung oder zur Inhalativa-Anwendung, werden in gut der Hälfte der deutschen Apotheken angeboten. Doch die wirtschaftliche Bilanz überzeugt nicht alle Inhaberinnen und Inhaber. So belegt eine aktuelle Studie der Freien Apothekerschaft: Diese Leistungen sind vielfach ein Verlustgeschäft. Zugleich formiert sich erneut Widerstand aus der Ärzteschaft.
Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) boten im dritten Quartal 2025 rund 8.800 der insgesamt 16.600 Apotheken pharmazeutische Dienstleistungen an. Ein Jahr zuvor waren es rund 7.900 Apotheken gewesen. Die Zahl der erbrachten Leistungen stieg von etwa 156.000 auf rund 216.000. „Unser Ziel ist es, die Implementierung weiter zu beschleunigen und die Angebote noch besser in der Breite zu verankern“, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. Der Branchenverband Pharma Deutschland bewertet diesen Trend positiv. Die pDL verbesserten den Behandlungserfolg und stärkten die Rolle der Vor-Ort-Apotheke.
Apotheken sehen ihre Selbstkosten nicht gedeckt
Eine im vierten Quartal 2025 durchgeführte Untersuchung der Marktforschungsfirma Prof. Kaapke Projekte im Auftrag der Freien Apothekerschaft, an der sich über 600 Apothekerinnen und Apotheker beteiligten, fiel allerdings ernüchternd aus: Zwar bieten 78 % der Befragten mindestens eine pDL an – vor allem Einweisungen in die Inhalationstechnik (73 %) und die Medikationsberatung (68 %). Doch das Honorar decke „oft nicht einmal die Selbstkosten“. Setze man die benötigte Arbeitszeit ins Verhältnis zum Honorar, arbeite mehr als jede zweite Apotheke bei der Bluthochdruck-Risikoerfassung defizitär.
Weitere Barrieren, die den pDL-Roll-out bremsten, seien Personalnotstand und hoher Dokumentationsaufwand. Auch ließen sich die räumlichen Anforderungen oft schwer umsetzen. Insbesondere bei Impfungen – die nur von 14–19 % angeboten würden – scheuten Apotheken Konfrontation und Kompetenzstreitigkeiten mit der Ärzteschaft.Das vorbereitete Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz sieht die Ausweitung von pDL vor. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) kritisiert das massiv und lehnt „die Aushöhlung ärztlicher Kompetenzen durch eine ineffiziente und unkoordinierte Aufgabenerweiterung von Apotheken“ ab.
HÄV warnt vor teuren Doppelstrukturen
Besonders kritisch sieht der HÄV die geplanten Präventions- und Früherkennungsdienstleistungen in Apotheken, erweiterte Impf- und Testmöglichkeiten sowie die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne ärztliches Rezept. Der Verband warnt vor „kostenintensiven Doppelstrukturen“. Prävention müsse zentral in der hausärztlichen Praxis erfolgen, wo die Behandlungshistorie dokumentiert sei.
Besonders scharf kritisiert der HÄV die geplante Ausweitung der Impfbefugnis. Es handele sich um „Maßnahmen, die einer ärztlichen Approbation bedürfen“. In der Grippesaison 2022/2023 seien lediglich 62.700 Grippeimpfungen in Apotheken erfolgt – bei rund 17 Millionen freigegebenen Impfdosen.
Die Freie Apothekerschaft betont: „Nur wenn eine Dienstleistung betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, kann sie dauerhaft und flächendeckend für die Patienten angeboten werden. Hier ist die Politik in der Pflicht, nachzubessern.“ Der Deutsche Apothekerverband hat den Vertrag zur Honorierung der pDL gekündigt, da die 2022 festgelegten Honorierungen nicht mehr angemessen seien.