Jeder dritte Hausarzt enttäuscht beim Test der Verbraucherschützer
Hausärzte verstehen sich als „Spezialisten für den ganzen Menschen“, die bei gesundheitlichen Beschwerden auch den Einfluss sozialer Probleme beachten. Ist dieses Selbstbild realistisch? Die Verbraucherzentrale Hamburg schickte eine Testpatientin in 28 Praxen vorbei.
Sie leide seit acht Wochen unter Erschöpfung und Müdigkeit, berichtete die 27-jährige Studentin den 19 aufgesuchten Allgemeinärzten bzw. neun hausärztlichen Internisten. Die derzeit beschwerdefreie Asthmatikerin ist unverheiratete Mutter eines zweijährigen Kindes; vor einem Vierteljahr begleitete sie ihre Mutter beim Sterben.
Die Reaktionen der ausgelosten Ärzte – 14 in einem reichen Stadtteil und 14 in zwei armen Bezirken – glich die Patientin mit einer Checkliste ab. Diese entstand laut Verbraucherschützern mithilfe der DEGAM-Leitlinie „Müdigkeit“ und der „Beratung durch einen erfahrenen Allgemeinmediziner“. Für jeden überprüften Aspekt bei Anamnese, Untersuchung und Beratung gab es –5 bis +3 Punkte.
Punktabzug für IGeL-Angebote
Demnach leisteten vier Ärztinnen „eine hervorragende Arbeit“ (Note 1): Sie erhoben eine somatische sowie psychosoziale Anamnese „und erfüllten fast alle Kriterien“. Vier Ärztinnen und ein Arzt bekamen eine 2 sowie neun Behandelnde (32 %) eine 3 – bei einigen „wurden Punkte abgezogen, weil sie ein unpassendes Medikament oder IGeL anboten“, so die Verbraucherzentrale. In 35 % der Fälle endete der Praxisbesuch mit der Note 4 (sechs Ärzte) oder 5 (vier), weil „nur sehr oberflächliche Anamnesen“ erhoben wurden. Die Notenverteilung fiel in den verglichenen Stadteilen identisch aus.
Beispiele für Negativbewertungen sind u.a.: „Sprachbarriere aufseiten des Arztes“, „Hausarzt fragte gleich am Anfang der Behandlung, ob die Patientin nur eine Krankschreibung brauche oder eine Behandlung“, „fehlende Nachfrage nach den Vorbefunden des Asthmas“.