Schwindel und neuropathische Schmerzen: Was steckt dahinter?
Frage: Ich wurde notfallmäßig zu einem 69-jährigen Patienten gerufen. Aus „heiterem Himmel“ klagte dieser über extremen Schwindel, Erbrechen und Umfallen nach links. Bei der Untersuchung zeigten sich keine Großhirn-Symptomatik, keine Sprachstörungen, keine Paresen, keine weiteren neurologischen Ausfälle, Spontannystagmus nach links, gering ausgeprägt mit angedeuteter rotatorischer Komponente, blickrichtungsverstärkt nach links. Gang und Stand mit erheblicher Unsicherheit und prompter Fallneigung nach rechts. Wegen Verdacht auf Kleinhirn-Symptomatik wies ich den Patienten ins Krankenhaus ein. Die dortige Diagnostik (CT, MRT, Serologie auf Herpes simplex, Herpes zoster, Borreliose, Echokardiographie, Doppler-/ Duplex-Sonographie der extrakraniellen hirnversorgenden Arterien) ergab keinen pathologischen Befund. Es wurde der Verdacht auf eine Neuritis vestibularis geäußert. Nach hochdosierter Kortisontherapie über eine Woche besserte sich die Symptomatik. Der Patient leidet aber immer noch an einem mäßigen Schwindel mit leichten Koordinationsstörungen. 4 Wochen nach Entlassung klagte er über rezidivierende, neuropathische Schmerzen (Segment-begrenzt) an Kopf, Hals, Thorax, Abdomen und Extremitäten. Eigenartigerweise halten diese Schmerzen nur 2 bis 3 Tage an. Bei dem Patienten ist in der Anamnese kein Herpes simplex oder Herpes zoster bekannt gewesen. Vor 10 Wochen habe ich einen Versuch mit einer antiviralen Behandlung gemacht, in den letzten Wochen sind die neuropathischen Schmerzen nicht wieder aufgetreten. Waren sie vielleicht doch durch eine nicht bekannte Herpesinfektion entstanden, sollte man noch eine Impfung gegen Herpes zoster durchführen? Die Schwindelattacken werden weiterhin mit Antivertiginosa (z. B. Betahistin) behandelt, ohne wesentliche Besserung. Wie sollte man weiter vorgehen?