Das neue Mentoring-Programm für angehende Diabetesberater*innen ist gestartet
Das Mentoring-Programm zur Diabetesedukation DDG bringt Diabetesberater*innen mit Berufserfahrung zusammen mit angehenden Diabetesberater*innen DDG. Beide Seiten sollen davon profitieren, indem sie voneinander lernen und sich auf Augenhöhe austauschen. Wie funktioniert das in der Praxis?
Sebastian Bittner ist seit 2018 Diabetesberater DDG und arbeitet als Teamleitung der Diabetesberatung in der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn und hat schon mehrere angehende Diabetesberater*innen durch die Ausbildung begleitet. Er engagiert sich im Vorstand des VDBD, hat seit 1991 Typ-1-Diabetes – und ist einer der ersten Mentoren im Rahmen des Mentoring-Programms. Seine Mentee, 42 Jahre alt, ist u. a. MFA und Fuß- und Wundassistentin DDG und arbeitet in einer Diabetologischen Schwerpunktpraxis. Die Ausbildung zur Diabetesberaterin DDG macht sie in Regensburg an der Katholischen Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in Bayern, wo Sebastian Bittner auch als Dozent tätig ist.
Herr Bittner, warum engagieren Sie sich als Mentor für eine angehende Diabetesberaterin?
Bittner: Ich sehe das Mentoring-Programm der DDG als nachhaltiges Entwicklungsprogramm, das nicht nur auf kurzfristige Problemlösung ausgelegt ist. Ich möchte Erfahrung und Wissen weitergeben, motivieren und meiner Mentee während der Ausbildung Orientierung und Klarheit bieten – sowohl bei Fragen zu den Lerninhalten als auch im beruflichen Alltag. Wichtig ist mir, ehrliches und unabhängiges Feedback zu geben. Konkret möchte ich Selbstvertrauen und eine professionelle Haltung, fachliche Kompetenz und Sicherheit vermitteln und zu kritischem Denken anregen.
Hätten Sie in der Zeit Ihrer Ausbildung gern selbst einen Mentor/eine Mentorin gehabt?
Bittner: Durch meine langjährige persönliche Erfahrung mit Typ-1-Diabetes habe ich mich schon früh intensiv mit dieser Erkrankung beschäftigt und hätte deshalb während meiner eigenen Weiterbildung keine*n Mentor*in benötigt.
Gerade die Diabetestechnologie, die sich stetig weiterentwickelt, löst aber bei vielen angehenden Diabetesberater*innen Unsicherheit aus. Auch klassische Inhalte wie das Ansetzen oder der Wechsel von Insulin, die Bestimmung von Insulindosen sowie die Berechnung von BE/KE bzw. gKH können insbesondere zu Beginn der Weiterbildung Stolpersteine darstellen. In solchen Bereichen kann eine Mentorin oder ein Mentor eine wertvolle Unterstützung bieten, um Sicherheit zu gewinnen und den Transfer in den beruflichen Alltag zu erleichtern.
Was möchte Ihre derzeitige Mentee konkret von Ihnen erfahren?
Bittner: Sie möchte vor allem Wissen über das Thema Fett-Protein-Einheiten, zu Insulinen und zur Technologie mit Schwerpunkt in der AID-/Insulinpumpentherapie vermittelt bekommen.
Was ist das Wichtigste für die Arbeit in der Diabetesberatung, das Sie Ihrer Mentee mitgeben möchten?
Bittner: Mir ist es wichtig, ihr eine vorurteilsfreie und wertschätzende Haltung gegenüber Menschen mit Diabetes zu vermitteln. Dazu gehört, den Betroffenen auf Augenhöhe zu begegnen und ihre individuellen Lebenssituationen ernst zu nehmen. Ebenso lege ich großen Wert auf Ehrlichkeit – auch in schwierigen oder sensiblen Situationen – sowie auf eine transparente und nachvollziehbare Kommunikation.
Darüber hinaus möchte ich meine Mentee dazu ermutigen, therapeutische Entscheidungen bewusst zu reflektieren, Verantwortung zu übernehmen und sich fachlich fundiert an die individuelle Therapie heranzutrauen. Eine kontinuierliche, klare und adressatengerechte Kommunikation mit allen Beteiligten ist zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Diabetesberatung. Ich möchte außerdem vermitteln, die vielfältigen
Fort- und Weiterbildungsangebote aktiv zu nutzen, um fachlich stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Die kontinuierliche Weiterentwicklung ist angesichts der sich stetig wandelnden Therapieoptionen und technischen Innovationen ein unverzichtbarer Bestandteil professioneller Beratung.
Sie können drei Tipps geben, die Sie selbst sich vielleicht erst im Laufe der Zeit erarbeitet haben…
Hab keine Angst vor Entscheidungen – aber denke sie bewusst durch.
Begegne Menschen mit Diabetes vorurteilsfrei und auf Augenhöhe.
Bleib offen für Neues und nutze Fort- und Weiterbildungen aktiv.
Was sollte in den von der DDG angebotenen Workshops für Mentor*innen vermittelt werden?
Bittner: Ein wichtiges Thema ist für mich die klare Abgrenzung der Mentorenrolle: Wo liegen unsere Aufgaben und Verantwortlichkeiten und ab welchem Punkt endet unsere Rolle als Mentor*in? Diese Klarheit würde aus meiner Sicht dazu beitragen, das Mentoring noch sicherer und wirkungsvoller zu gestalten.
Mentoring-Programm zur Diabetesedukation DDG
Erfahrene Fachkräfte mit einem Abschluss als Diabetesberater*in DDG können Mentor*innen werden. Interessierte Diabetesberater*innen bewerben sich und werden dann von einer Weiterbildungsstätte kontaktiert, die auch das erste Treffen mit dem/der Mentee vermittelt.
Einmal pro Zertifizierungszeitraum von drei Jahren können Mentor*innen für ihre Tätigkeit bis zu sechs Fortbildungspunkte der VDBD AKADEMIE erwerben.
Wer als Weiterbildungs-Teilnehmende am Mentoring-Programm interessiert ist, kann einen Bewerbungsbogen ausfüllen oder sich an die DDG Geschäftsstelle oder die Weiterbildungsstätte wenden.
Die Mentoring-Partnerschaft dauert ca. sechs Monate. Vorgesehen sind regelmäßige Treffen (pro Monat insg. fünf Stunden) zwischen Mentor*in und Mentee.