Samstag, 25. Oktober 2014

Fokus Medizin

Die Nahrungsmittelallergie mit großer Vorsicht entschärfen

Nahrungmittelallergien: Früchte machen weniger systemische Probleme.

06.06.2012
Von: Maria Weiß, Foto: BilderBox
Artikel Nummer: 19449
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Die Nahrungsmittelallergie richtig angehen!

Nahrungsmittelallergien können sich durch ein Kribbeln im Mund bis hin zum anaphylaktischen Schock bemerkbar machen. Was ist hier zu tun?


Nahrungsmittelallergien scheinen auf dem Vormarsch zu sein, schreibt Professor Dr. Barbara K. Ballmer-Weber von der Allergiestation im Dermatologischen Universitätsspital Zürich. Innerhalb von zwei Stunden nach Aufnahme des allergenen Nahrungsmittels setzen in der Regel die Symptome ein.

Nahrungsmittelallergie geht häufig mit Kontakturtikaria einher

Am häufigsten findet man eine orale Kontakturtikaria (auch orales Allergiesyndrom) mit leichten Schwellungen und Juckreiz im Mund. Ebenfalls relativ häufig kommt es zu Manifestationen im Bereich der Haut mit Urtikaria, Flush und Angioödem. Auch gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen sind möglich.


In einigen Fällen reagieren die Patienten mit Rhinitis, Husten Asthmaanfällen oder Larynxödem auf die entsprechenden Nahrungsmittel. Besonders gefürchtet ist die lebensbedrohliche Anaphylaxie. Selbst bei intakter Schleimhautbarriere im Magendarmtrakt gelangen kleine Mengen von Nahrungsallergenen in immunologisch intakter Form in den Körper.

Häufige Nahrungsmittelallergien im Kindesalter: Kuhmilch und Hühnerei

Allergien entstehen dann insbesondere bei atopischer Disposition und bei noch unreifer gastroinstestinaler Schleimhautbarriere im Kindesalter. Solche primären Allergien im pädiatrischen Krankengut betreffen v. a. Kuhmilch und Hühnerei, verlieren sich aber oft bis zum Schulalter wieder.


Primäre Allergien gegen Erd- oder Baumnüsse (Haselnuss, Walnuss), Fisch, Krustentiere, Samen und Kerne bleiben dagegen meist bestehen. Seltener entwickeln sich solche Allergien erst im Erwachsenenalter. Dies könnte aber durch die Einnahme von Säureblockern begünstigt werden, so die Allergologin.

Sekundäre Nahrungsmittelallergie häufig bei Birkenpollenallergikern

Häufiger leiden Adulte unter sekundären Nahrungsmittelallergien durch Kreuzreaktionen mit Inhalationsallergenen (s. Tabelle). Das betrifft z.B. bis zu 80 % der Birkenpollenallergiker. Die meisten mit Birkenpollen assoziierten Nahrungsmittel führen jedoch nur zu einem oralen Allergiesyndrom.

 

Häufige Kreuzallergien bei Pollenallergikern

Pollen

Nahrungsmittel

Birke

Apfel, Birne, Kirsche, Pfirsich, Nektarine,Aprikose, Pflaume, Kiwi, Haselnuss, andere Nüsse, Mandeln, Sellerie, Karotte, rohe Kartoffeln, Soja, Erdnuss

Beifuß

Sellerie, Karotte, Gewürze, Melone, Honig, Lychee, Mango, Pfirsich, Trauben, Cashewnüsse, Pistazien, Sonnenblumenkerne, Kamille, Gurke

Traubenkraut

Melonen, Bananen, Zucchini, Gurke

Platane 

Haselnuss, Pfirsich, Kiwi, Melone, Erdnuss,
Mais, Kichererbsen, Lattich, grüne Bohnen

Anaphylaktische Reaktionen durch körperliche Anstrengung nach Allergenverzehr?

Systemische Beschwerden sind bei diesen Fruchtallergien selten und in gekochter Form wird das Obst meist vertragen. Insbesondere bei Haselnuss-, Karotten-, Sellerie und Soja-Allergien sind aber auch schwere anaphylaktische Reaktionen möglich, v.a. wenn sich die Patienten zwei bis vier Stunden nach dem Essen körperlich anstrengen, gleichzeitig Alkohol konsumieren bzw. β-Blocker oder NSAR einnehmen.


Auch Asthma bronchiale verstärkt die Symptome. Da es keine „Heilung“ gibt, steht die Vermeidung der Allergene im Vordergrund. Daher kommen die Patienten nicht drumherum, die klein gedruckte Zutatenliste auf Lebensmittel- Packungen gründlich zu lesen. Problematisch bleibt das Essen in Restaurants und Kantinen.

Notfallset bei Nahrungsmittelallergie: Histamintabletten und Prednisolon

Für den Fall des Falles sollten alle Patienten ein Set mit zwei Histamintabletten und 100 mg Prednisolon mit sich führen. Bei Asthma bronchiale oder systemischen Reaktionen gehört auch ein Adrenalin-Pen zur Ausstattung, dessen Handhabung mit den Patienten vorher trainiert werden muss. 


Quelle: Barbara K. Ballmer-Weber, Therapeutische Umschau 2012; 69: 225-229

 

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