Leitlinien zur Behandlung des Koronarsyndroms
Die neu aufgelegte Leitlinie „NSTE-ACS“ zum akuten Koronarsyndrom trägt der aktuellen Datenlage Rechnung.
Das akute Koronarsyndrom ACS als lebensbedrohliche Akutentwicklung der koronaren Herzkrankheit kann sich als ST-Hebungsinfarkt (STE-ACS) oder als Myokardischämie ohne ST-Hebung (NSTE-ACS) äußern. Letzteres tritt klinisch in verschiedener Weise in Erscheinung.
Man unterscheidet vier klinische Formen:
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Neben der typischen Angina pectoris präsentieren die Patienten nicht selten atypische Symptome wie Schwitzen, Übelkeit, Schmerz- Ausstrahlung ins Epigastrium, Synkopen oder Dyspnoe. Dies betrifft insbesondere ältere Koronarkranke (> 75 Jahre), Frauen, Patienten mit Diabetes, chronischer Nierenerkrankung oder Demenz.
Nach der häufig unauffälligen körperlichen Untersuchung muss innerhalb von 10 Minuten nach Patientenkontakt ein 12-Kanal-EKG angefertigt werden. Typischerweise finden sich ST-Senkungen oder vorübergehende ST-Hebungen. Permanente ST-Hebungen (< 20 min) sprechen für einen STEMI, der anders behandelt werden muss.
Hochsensitiven Troponintest wählen?
Bei Patienten mit Myokardinfarkt steigen die Troponine T und I erstmals nach etwa 3–4 Stunden an und gehen bei NSTE-ACS meist innerhalb von 48–72 Stunden wieder zurück. Die neueren High-Sensitivity-Troponintests schlagen noch früher an, sodass ihnen die Diagnose nur selten entgeht.
Eine Wiederholung des Tests nach drei Stunden steigert die Sensitivität auf 100 %, schreibt Professor Dr. Christian Hamm von der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim in der beim Kongress der European Society of Cardiology präsentierten „Leitlinie NSTE-ACS 2011“.
Angina pectoris: Zur Differentialdiagnose u.a. Hb und D-Dimer testen!
Zur differenzialdiagnostischen Abklärung gibt es weitere hilfreiche Marker und Laborparameter. Genannt werden D-Dimere (Lungenembolie), die natriuretischen Peptide BNP/NT-proBNP (Herzinsuffizienz), Hämoglobin (Anämie), Leukozytose (Entzündung) und Marker der Nierenfunktion.
Goldstandard der bildgebenden Verfahren zur Darstellung der Koronarien bleibt die Angiographie. Wo verfügbar und mit hoher Expertise auswertbar, stelle die Angio- CT ein nützliches Instrument zur direkten Visualisierung der Herzkranzgefäße dar. In der Akuttherapie setzt man zur Steigerung des Sauerstoffangebotes bzw. zur Senkung des O2-Bedarfs orale oder intravenöse Nitrate, Betablocker und Kalziumantagonisten ein. Daneben gilt es, rasch der Plättchenaktivierung entgegenzuwirken.
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Zusätzlich zur Thrombozytenaggregationshemmung sollen alle NSTE-ACS-Patienten eine Antikoagulation erhalten (I-A)Linie mit Fondaparinux oder – falls dieses nicht zur Verfügung steht – mit Enoxaparin. Ersatzweise kommen unfraktionierte Heparine bzw. Bivalirudin (plus GP IIb/IIIa-Inhibitoren) infrage.
Die Antikoagulation kann innerhalb von 24 Stunden nach der Koronarintervention beendet werden. Eine Revaskularisation wird bei NSTE-ACS ausdrücklich empfohlen, da sie Symptome lindert, den Klinikaufenthalt verkürzt und die Prognose bessert.
Sekundärprävention bei der NSTE-ACS spielt eine große Rolle
Ob überhaupt, wie dringlich und auf welche Weise (PCI, CABG) revaskularisiert wird, hängt natürlich von individuellen Kriterien ab. Sekundärprävention steht im Fokus, für die niedergelassenen, weiterbetreuenden Ärzte ist die Zeit nach Klinikentlassung von größter Wichtigkeit.
Auch wenn die meisten Komplikationen in der frühen Phase nach ACS auftreten, so bleibt die Gefahr für Herzinfarkt und Tod noch über Monate deutlich erhöht. Das Risiko lebensbedrohlicher Arrhythmien liegt bei revaskularisierten Patienten niedrig (2,5 %). Da diese Arrhythmien meist in den ersten 12 Stunden nach Symptombeginn auftreten, ist ein Monitoring über 24 bis 48 Stunden hinaus nicht nötig.
Koronarsyndrom - Nach Intervention steht Lebensstiländerung im Vordergrund
Nach Stenting der „schuldigen“ Läsion müssen NSTE-ACS-Patienten ohnehin mindestens 24 Stunden in der Klinik bleiben. Nach der Klinikentlassung stehen in der Sekundärprävention Lebensstil und Risikofaktoren sowie die individuell angepasste Pharmakotherapie im Fokus. Nach Möglichkeit sollte man den Patienten zur Teilnahme an einem kardialen Reha-Programm bewegen, was ihm die Lebensstiländerungen und Therapiecompliance erleichtert.
Die Allgemeinmaßnahmen haben sich gegenüber der Vorversion (Spezialausgabe 2011 Kardiologie) der Leitlinie nicht geändert: Neben Raucherentwöhnung werden regelmäßige aerobe körperliche Aktivität (5-mal pro Woche) sowie Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion, Blutdruckkontrolle und Diabeteseinstellung angeraten.
Welches Medikament fürs Herz?
Non-ACS-Ursachen der Troponin-ErhöhungNicht immer ist es ein akutes Koronarsyndrom, das die Troponin-Spiegel steigen lässt. Differenzialdiagnostisch zu erwägen sind u.a.:
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Quelle: Leitlinien 2011







