Sonntag, 26. Oktober 2014

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Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit - tauchen sollte man dennoch nicht.

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit - tauchen sollte man dennoch nicht.

17.05.2011
Von: Maria Weiß, Foto: Anke Zens
Artikel Nummer: 16820
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Schwangerschaft - Sex und Heben erlaubt, Tauchen verboten!

Wenn Frauen erfahren, dass sie schwanger sind, bestürmen sie oft den Arzt mit Fragen zum richtigen Verhalten. Was antworten Sie?


Häufig taucht die Frage auf, ob mit Beginn der Schwangerschaft ein körperlicher Schongang eingelegt werden muss. Eine prospektive Studie hat gezeigt, dass schweres Heben und langes Stehen meist weder dem Fetus schadet noch die Frühgeburtlichkeit erhöht. Bei Frauen, die schon Aborte hatten, könnte starke körperliche Belastung aber sehr wohl das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen.

Faustregel für die Schwangerschaft: Nicht über 3000 m steigen und nicht unter 9 m tauchen!

Sport brauchen gesunde Frauen beim Eintreten einer Schwangerschaft nicht aufzugeben. Im Gegenteil: sie sollten sogar dazu ermutigt werden. Für ein erhöhtes Abortrisiko lassen sich keine Daten finden. Was ist aber mit Extremsportarten wie Bergsteigen und Tauchen? Schließlich weisen Bergbewohnerinnen (über 3000 m) ein erhöhtes Risiko für Aborte und Schwangerschaftskomplikationen auf. Bei Ausflügen in die Berge sollten Schwangere daher 2500–3000 m möglichst nicht überschreiten und sich mit zunehmender Höhe weniger belasten.


Beim Tauchen befürchtet man v.a., dass gelöster Stickstoff aus dem Gewebe der Mutter direkt ins Gehirn des Feten gelangt. Die Datenlage ist noch unzureichend. Sicherheitshalber sollten Schwangere nicht unterhalb von 9 m Tiefe tauchen. Haben sie es aber in der noch unbekannten Frühschwangerschaft doch getan, ist dies keine Indikation zur Abruptio.

Flug in die Ferien ist erlaubt, auch Zahnröntgen kein Problem

Häufig wird nach den Gefahren des Fliegens gefragt. Insbesondere die kosmische Strahlung wird in der Frühschwangerschaft gefürchtet. Für Urlaubs- oder einzelne Geschäftsreisen kann man grünes Licht geben. Um die als Grenzwert empfohlene kumulative Strahlendosis von 1 mSv zu erreichen, müsste man zehnmal von Frankfurt nach Toronto und zurück fliegen. Für professionelles Flugpersonal lässt sich ein erhöhtes Risiko aber nicht ausschließen.


In der bildgebenden Diagnostik stellen Sonographie und MRT kein Problem dar. Beim Röntgen hängt es davon ab, ob der Uterus im Strahlengang liegt und welche Dosis verwandt wird. Risiken und Nutzen sind individuell abzuwägen. Zahnröntgen ist aufgrund der niedrigen Dosis ungefährlich.

Viel Sex in der späten Schwangerschaft reduziert das Risiko für eine Frühgeburt

Müssen Schwangere auf heißes Bad oder Sauna verzichten? Bisher liegen keine validen Studiendaten vor. Die Autoren raten daher nicht generell von Saunagängen ab. Haarefärben war in den 1980er Jahren in Verruf geraten – wegen einer angeblichen Zunahme kindlicher Hirntumoren. Dies gilt aber heute als widerlegt und man kann die Frauen beruhigen. Beruflich exponierte Schwangere sollten für ausreichende Belüftung sorgen und Handschuhe tragen.


Keinerlei negativen Einfluss scheint die Kohabitation zu haben. Allerdings hat man das Thema Sex in der Frühschwangerschaft bisher auch kaum untersucht. In der Spätschwangerschaft sinkt die Frühgeburtenrate mit steigender Kohabitationsfrequenz.


Frank Nawroth et al., Frauenarzt 2010; 51: 312–320

 

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