Koadministration von Impfstoffen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen

Impfen bei Kindern: Koadministration für schnellen Schutz

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 3 Min
Im Alter von zwei Monaten sollen Säuglinge laut STIKO-Empfehlung jeweils die erste Dosis eines Sechsfachimpfstoffs (DTaP-IPV-Hib-HepB), eines Pneumokokken-Konjugat- und des Meningokokken-B-Impfstoffs erhalten.

Mehrere Impfungen an einem Termin sparen Zeit und sorgen für einen schnellstmöglichen Impfschutz. Die Koadministration gilt bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen als sinnvoll und gut verträglich.

Die Koadministration von Vakzinen spart Zeit und trägt zu schnellstmöglichem Impfschutz bei, schreibt Prof. Dr. Ulrich Heininger, Universitäts-Kinderspital beider Basel, im Namen der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen im Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V. Bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist dies besonders relevant, da in bestimmten Altersstufen mehrere Impfungen gleichzeitig oder in engem zeitlichem Abstand empfohlen werden.

Welche Impfungen empfiehlt die STIKO im Säuglingsalter gleichzeitig?

Im Alter von zwei Monaten sollen Säuglinge laut STIKO-Empfehlung jeweils die erste Dosis eines Sechsfachimpfstoffs (gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B), eines Pneumokokken-Konjugat- und des Meningokokken-B-Impfstoffs erhalten. Zusätzlich ist im Alter von sechs Wochen bis zwei Monaten die erste Dosis eines oralen Rotavirus-Impfstoffs fällig. Für dieses umfangreiche Vakzinierungsprogramm empfiehlt die STIKO explizit die Koadministration mehrerer Injektionsimpfstoffe. Die Vakzinierung erfolgt üblicherweise bilateral in den M. vastus lateralis. Werden zwei Impfstoffe auf derselben Seite appliziert, muss zwischen den beiden Injektionsstellen ein Mindestabstand von 2 cm eingehalten werden; die dritte Injektion erfolgt in den kontralateralen Oberschenkelmuskel.

Was steht in den Fachinformationen?

Zu vielen Koadministrationen (aber nicht zu allen) gibt es Studiendaten, die in den Fachinformationen zu den Impfstoffen zusammengefasst sind (jeweils im Abschnitt 4.5 „Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen“). Findet man keine entsprechenden Angaben zu Impfstoff A, ist es sinnvoll, die Fachinformation des zur Diskussion stehenden Impfstoffs B (ggf. auch des Impfstoffs C) zu überprüfen. Wie Prof. Heininger ausdrücklich schreibt, ist jedoch die gleichzeitige Gabe von zwei oder mehr Impfstoffen auch dann möglich, wenn sich in den Fachinformationen zu diesem Punkt keine Angaben finden, die Koadministration aber indiziert und sinnvoll ist.

Nicht nur Babys, sondern auch Kinder und Jugendliche profitieren von einer Koadministration. Für die Altersgruppe der 9- bis 16-Jährigen empfiehlt die STIKO standardmäßig Auffrischungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Poliomyelitis sowie Immunisierungen gegen HPV und Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y. Laut Prof. Heininger befürwortet die Kommission, diese Impfungen in beliebigen Kombinationen (zwei oder auch drei Vakzine) bei einem Arzttermin gleichzeitig zu verabreichen.

 

Manche Eltern fürchten, dass mehr Nebenwirkungen auftreten könnten, wenn ihr Kind an einem Termin mehrere Impfstoffe injiziert bekommt. Zur Verträglichkeit von Koadministrationen heißt es in der Stellungnahme der Kommission:

  • Lokale Reaktionen treten impfstoffspezifisch auf – unabhängig davon, ob eine oder mehrere Impfungen appliziert wurden. Gibt man zwei Vakzine mit mindestens 2 cm Abstand in dieselbe Extremität, sind Rate und additive Dauer von schmerzhaften Lokalreaktionen geringer, als wenn man diese Impfstoffe an zwei unterschiedlichen Terminen verabreicht.

  • Die kumulative Fieberwahrscheinlichkeit ist bei separater Gabe größer als bei einmaliger Koadministration.

 

Weniger Termine, schnellerer Schutz – Koadministration von Impfungen bietet einige Vorteile

Damit überwiegen die Vorteile der Koadministration nicht nur im Hinblick auf die Einsparung von Arztterminen und die zeitgerechte Umsetzung aktueller Impfempfehlungen, sondern auch hinsichtlich der Verträglichkeit. Im Aufklärungsgespräch mit den Eltern sollte auf diese Vorteile der gleichzeitigen Gabe verschiedener Impfstoffe an einem Termin hingewiesen werden.

Heininger U. Monatsschr Kinderheilkd 2026; doi: 10.1007/s00112-026-02421-y

Dr. Andrea Wülker

Dr. Andrea Wülker hat in Freiburg Medizin studiert und anschließend in der Orthopädie und inneren Medizin gearbeitet. Seit vielen Jahren ist sie als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig.

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