Medizin ist, wenn man trotzdem lacht
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Eine humorvolle Grundhaltung kann den Arbeitsalltag erleichtern und hilft Menschen im Umgang mit ihrer Erkrankung. Dabei geht es nicht um Kalauer, sondern vielmehr um einen Perspektivwechsel. Ein Gespräch mit einer Kollegin, die ihre Patientinnen und Patienten gerne mal „um die Ecke bringt“.
Stellen Sie sich eine Folge „Es war einmal … das Leben“ zum Thema Lachen vor. Die Erzählerstimme würde in etwa Folgendes sagen: Wenn wir lachen, sind allein im Gesicht 17 Muskeln beteiligt. Auch Brust-, Bronchial- und Atemmuskulatur werden aktiviert. Wir atmen tiefer und schneller und es strömt drei- bis viermal mehr Luft in die Lunge als sonst. 20 Sekunden Lachen reichen aus, um den Körper mindestens genauso zu fordern wie drei Minuten Joggen.Und jetzt stellen Sie sich die kleinen blauen Männchen vor, die durch die Axone flitzen, um folgende Botschaft zu verbreiten: positiv bleiben, resilienter werden, Stress reduzieren. Genau diese Effekte kann Lachen im Körper hervorrufen. Einer Metaanalyse zufolge wird z. B. der Cortisolspiegel im Durchschnitt um etwa 32 % gesenkt. „Das ist schon mal ein Wort“, betont Dr. Cornelia Güth aus Offenburg im Podcast O-Ton Allgemeinmedizin. Die Kollegin arbeitet nicht nur als Hausärztin, sondern ist auch ärztliche Leiterin am Deutschen Institut für Humor.
Dr. Güth versteht Humor nicht als den klassischen plakativen Witz, sondern als innere Haltung, bei der man neue Blickwinkel einnimmt, um Leichtigkeit in den Alltag zu bringen. Das nützt auf vielen Ebenen, sei es im Praxisteam, in der Arzt-Patienten-Beziehung oder im Umgang mit einer Erkrankung. Lockere Sprüche gehören durchaus dazu. So berichtet die Kollegin, dass sie ihre Patientinnen und Patienten mit den Worten „Wir gehen mal um die Ecke“ durch die Flure ins Sprechzimmer führt. Als eine Frau auf diese Aussage irritiert reagierte, antwortete Dr. Güth schlicht: „Ich bring meine Patienten doch gerne um die Ecke.“
Fortbildungspunkte durch Humortraining sammeln
Am Institut für Humor sorgt die Allgemeinmedizinerin u. a. dafür, dass Ärztinnen und Ärzte Fortbildungspunkte bekommen, wenn sie an einem Humortraining teilnehmen. Wie ein solches Seminar abläuft, wird in der Podcastfolge verraten. Nur so viel vorab: Eine Übung hat etwas mit Bügeln ohne Bügeleisen zu tun.Damit Humor den Praxisalltag positiv beeinflussen kann, braucht es ein paar Grundregeln: Er darf nicht abwertend gegenüber Personen sein und ist z. B. beim Übermitteln einer schweren Diagnose unangebracht. In den nachfolgenden Patientengesprächen kann man aber durchaus versuchen, der ernsten Situation mit kommunikativen Kniffen die Schwere zu nehmen. Erlaubt ist zudem ein gewisses Maß an Sarkasmus, insbesondere innerhalb des Praxisteams. „Galgenhumor erhält die Empathie und lässt uns handlungsfähig bleiben“, weiß Dr. Güth.
Natürlich funktioniert der lockere Ansatz nicht bei allen Menschen gleich gut. Das muss man akzeptieren. Letztlich sei Humor eine Einladung, so die Kollegin. Was genau damit gemeint ist, erklärt sie im Podcast. Außerdem erzählt Dr. Güth, was sie bei anderen Hausärztinnen und -ärzten gerne häufiger erleben würde und warum es toll sein kann, bei einer Fortbildung wenig Neues dazuzulernen.
Mehr zum O-Ton Allgemeinmedizin
Den Podcast O-Ton Allgemeinmedizin gibt es alle 14 Tage donnerstags auf den gängigen Podcast-Plattformen. Abonnieren Sie uns und machen Sie auch gerne Themenvorschläge. Kontakt zur Redaktion unter: o-ton-allgemeinmedizin@medtrix.group