Hitzewelle in Deutschland

Mehr als 4.300 Hitzetote in einer einzigen Woche

Aus der Fachliteratur
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In Kalenderwoche 26 lag die Wochenmitteltemperatur 2026 bei über 26 Grad Celsius. Ab einer Wochenmitteltemperatur von etwa 20 Grad Celsius lässt sich typischerweise ein Effekt auf die Sterblichkeit beobachten.

Die Hitzewelle Ende Juni 2026 hat in Deutschland innerhalb einer einzigen Woche über 4.300 Menschenleben gefordert – mehr als in manchen Jahren insgesamt. Expertinnen und Experten halten diese Zahl sogar noch für unterschätzt.

Die Hitzewelle Ende Juni hat in Deutschland zu einer außergewöhnlich hohen Zahl an Todesfällen geführt. Allein in der Kalenderwoche 26 – also vom 22. bis 28. Juni – sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 4.310 Menschen vorzeitig an den Folgen der Hitze gestorben. Damit entfällt der Großteil der insgesamt 5.120 hitzebedingten Todesfälle, die das RKI für die erste Jahreshälfte 2026 bis einschließlich Kalenderwoche 26 schätzt, auf diese eine Woche.

Die Zahlen des RKI beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamts: In Kalenderwoche 26 starben in Deutschland rund 23.600 Menschen – knapp 30 Prozent mehr als der langjährige Mittelwert von etwa 18.200 Todesfällen in dieser Jahreszeit. Die Wochenmitteltemperatur lag in dieser Woche bei über 26 Grad Celsius, regional wurden Rekordwerte von bis zu 41,7 Grad Celsius gemessen. Ab einer Wochenmitteltemperatur von etwa 20 Grad Celsius lässt sich typischerweise ein Effekt auf die Sterblichkeit beobachten.

Zahlen werden möglicherweise unterschätzt

Fachleute weisen darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Hitzetoten noch höher liegen könnte. Da das RKI wöchentliche statt tägliche Daten verwendet, könnten die hitzebedingten Sterbefälle laut Dr. Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München um 35 bis 50 Prozent unterschätzt werden. Zudem entfaltet extreme Hitze ihren tödlichen Effekt teilweise mit Verzögerung – Sterbefälle aus den Folgetagen der besonders heißen Wochenendtage vom 27. und 28. Juni werden erst im nachfolgenden Wochenbericht abgebildet sein.

Über 80 Prozent der Hitzetoten sind laut RKI älter als 75 Jahre. Auch sterben mehr Frauen als Männer, was sich durch ihren höheren Anteil in den älteren Altersgruppen erklären lässt. Dennoch: Nach den RKI-Schätzungen sind in der Extremhitzewoche auch über 250 Menschen unter 65 Jahren hitzebedingt gestorben – bei ihnen könnten akute Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle viele Lebensjahre gekostet haben.

Hitze tötet mehr als Kälte – Tendenz steigend

Im historischen Vergleich sind die Zahlen für 2026 bereits jetzt auffällig hoch: In den Jahren 2023 und 2024 lag die Gesamtzahl der jährlichen Hitzetoten jeweils bei etwa 3.000. Sollte es im weiteren Jahresverlauf eine weitere vergleichbare Hitzephase geben, könnten historische Höchstwerte erreicht werden – zuletzt wurden solche in den Jahren 1994 und 2003 mit jeweils über 10.000 Hitzetoten verzeichnet.

Über Europa hinweg betrachtet, führt Kälte bislang noch zu mehr Todesfällen als Hitze. Projektionen zeigen jedoch, dass die Zunahme hitzebedingter Sterbefälle durch den Klimawandel die Abnahme kältebedingter Tode in jedem Klimaszenario übersteigen wird – das Nettosterberisiko steigt also unabhängig vom Zukunftsszenario an.

Mortalität ist nur die Spitze des Eisbergs

Neben der Sterblichkeit ist die hitzebedingte Morbidität eine ebenso relevante, jedoch schwerer erfassbare Kenngröße. Betroffen sind insbesondere ältere Menschen, Vorerkrankte, Schwangere, Kinder sowie Menschen mit psychischen Erkrankungen. Studien beschreiben hitzebedingte Krankenhauseinweisungen etwa bei Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Diabetes. Belastbare Daten dazu liegen für Deutschland jedoch oft erst mit einer Verzögerung von Monaten oder Jahren vor.

1. Pressemitteilung Science Media Center

2. Robert Koch-Institut (09.07.2026): Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität.

Kathrin Strobel

Kathrin Strobel

Chefredakteurin Medical Tribune
Nach ihrem Studium an der Universität Heidelberg und der University of Sheffield absolvierte sie ein Volontariat bei einem großen Medizinverlag in Stuttgart. Seit 2018 ist sie Teil der Redaktion der Medical Tribune und verantwortet seit 2024 als Chefredakteurin der Medical Tribune Deutschland die Hauptpublikation, die damit assoziierten Fachtitel sowie die Podcastreihe O-Ton Allgemeinmedizin.

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