Risikofaktor Geschlecht

Systemischer Lupus schlägt bei Männern härter zu

Aus der Fachliteratur
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Beim Lupus haben Männer ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen und Nephritis als Frauen.

Männer mit systemischem Lupus erythematodes brauchen besondere Aufmerksamkeit. Sie erkranken später als Frauen, zeigen aber schwerere Verläufe mit schneller auftretenden Organschäden.

Zuverlässige Informationen zum systemischen Lupus erythematodes (SLE) bei Männern sind Mangelware. Da Frauen häufiger an der Kollagenose erkranken und in klinischen Studien das Gros der Teilnehmenden stellen, resultieren repräsentative Daten für Männer nur aus Beobachtungsstudien mit ausreichend hoher Fallzahl. 

81 Arbeiten mit mindestens 20 Männern analysiert

Um die Geschlechtsunterschiede beim SLE herauszuarbeiten, hat eine Gruppe deutscher Wissenschaftlerinnen 81 systematische Reviews und Beobachtungsstudien in einem Scoping Review* analysiert. In allen Arbeiten mussten mindestens 20 Männer mit SLE eingeschlossen worden sein. Wie die Rheumatologin Prof. Dr. Sarah Ohrndorf vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam und zwei weitere Kolleginnen in einer aktuellen Publikation berichten, ergaben sich aus den Daten zahlreiche Hinweise. Manche ließen sich allerdings nur aus wenigen Studien ableiten:

  • Männer sind bei Manifestation des SLE im Durchschnitt 2–11 Jahre älter als Frauen.    

  • Ihre Krankheit wird rascher diagnostiziert, was womöglich an einer bereits bestehenden schweren Organbeteiligung liegt.

  • Im Labor zeigen sich kaum geschlechtsspezifische Unterschiede im Hinblick auf Aktivitätsparameter und SLE-Krankheitsaktivitäsindex (SLEDAI). 

  • Ein positives Lupusantikoagulans und höhere Cardiolipin-Antikörper sind häufiger bei Männern, Anti-Ro/SS-A-Antikörper öfter bei Frauen nachweisbar.

  • Von den klinischen SLE-Symptomen treten Alopezie, Raynaud-Syndrom und erhöhte Photosensibilität vermehrt bei Frauen auf. Von Serositis, venösen  Thrombosen und Antiphospholipidsyndrom sind dagegen Männer eher  betroffen. Gleiches gilt für die Nephritis. Männer haben ein höheres Risiko für eine diffuse proliferative Lupusnephrits der Klasse IV/V, sowie ein schlechteres renales Outcome. Ihre Chance auf eine vollständige Remission ist geringer.

  • SLE-Männer entwickeln häufiger als Frauen kardiovaskuläre Begleiterkrankungen. Ihr Risiko für KHK, kardiovaskuläre Ereignisse, Vorhofflimmern, Aortenaneurysma/Dissektion, Herzklappenerkrankungen und thrombotische Ereignisse ist erhöht.

  • Von schweren Infektionen sind Männer mit SLE öfter betroffen als Frauen. Insbesondere wurde dies für COVID-19, Tuberkulose und Pneumocystis jirovecii gezeigt.

  • In der Therapie fällt auf, dass Männer seltener Hydroxychloroquin erhalten. Was die Behandlung mit Azathioprin und Mycophenolat angeht, ist ihre Adhärenz besser als die der Frauen. Die Infektionsrate unter Belimumab und Rituximab liegt bei ihnen höher. Unter Belimumab entwickeln sie häufiger neuropsychiatrische Schübe.

  • Frauen mit SLE klagen im Vergleich zu Männern mehr über Schmerzen, Fatigue, depressive Symptome und Ängstlichkeit.

  • Männer benötigen öfter Unterstützung in puncto Gesundheitskompetenz, z. B. beim Ausfüllen medizinischer Dokumente oder beim Verstehen krankheitsbezogener Informationen.

Für die Praxis fordern die Autorinnen, beim SLE geschlechtersensibel vorzugehen. Auf die Risikogruppe Männer müsse man verstärkt achten, da sie schwerere Verläufe und  schneller Organschäden entwickeln. Bei ihnen sei u. a. ein engmaschiges Monitoring der Nierenfunktion notwendig. Vaskuläre Risikofaktoren müssten konsequent angegangen werden.  Eine geschlechterspezifische Versorgung biete die Chance, die Langzeitprognose der Erkrankten entscheidend zu verbessern.

* Scoping Reviews bieten eine Orientierung über den Stand der Forschungsliteratur, ohne die methodische Qualität der eingeschlossenen Publikationen zu berücksichtigen.

Ohrndorf S et al. internistische praxis 2026, 70: 57-64

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

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