Komorbiditäten senken Remissionschancen beim Lupus
Patientinnen und Patienten mit systemischem Lupus erythematodes erreichen trotz Therapie oft keine Remission. Inwieweit Komorbiditäten dabei eine Rolle spielen, war Gegenstand einer aktuellen Studie.
Das Erreichen einer Remission nach DORIS* und eine niedrige Krankheitsaktivität (LLDAS) gelten als zentrale Behandlungsziele beim systemischen Lupus erythematodes (SLE), da sie mit weniger Krankheitsschüben, geringerer Organschädigung und reduzierter Mortalität einhergehen. Komorbiditäten werden dabei zunehmend als Einflussfaktoren auf den Verlauf autoimmuner Erkrankungen verstanden.
Fall-Kontroll- und populationsbasierte Studien zeigen, dass zahlreiche körperliche und psychische Begleiterkrankungen häufig auftreten. Umfangreiche Analysen des gesamten Komorbiditätsprofils sind bislang allerdings noch Mangelware, schreibt die Arbeitsgruppe um Myrto Nikoloudaki von der University of Crete Medical School in Heraklion. Die Forschenden gingen deshalb der Frage nach, in welchem Ausmaß Komorbiditäten das Erreichen der Therapieziele beim SLE beeinflussen.
140 Begleiterkrankungen bei 347 Betroffenen ausgewertet
347 Patientinnen und Patienten mit klinisch aktiver, therapiebedürftiger SLE-Erkrankung ab 16 Jahren fanden Eingang in die retrospektive Kohortenstudie. Alle Teilnehmenden erfüllten die SLICC**- oder EULAR/ACR-Klassifikationskriterien und hatten im Zeitraum von 2008 bis 2018 eine Therapieintensivierung erhalten. Als aktive Erkrankung galt eine erhöhte Krankheitsaktivität (SLEDAI-2K ≥ 6 und/oder PGA ≥ 1,5 bei einer Skala von 0–3) in Kombination mit erforderlicher Therapieeskalation durch Glukokortikoide, Immunsuppressiva oder Biologika. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug fünf Jahre. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 140 Begleiterkrankungen, Krankheitsaktivität, Behandlungsmaßnahmen und Organschäden dokumentiert und ausgewertet.
Trotz des vergleichsweise jungen Patientenalters von im Median 46 Jahren und einer mittleren Krankheitsdauer von nur neun Monaten zeigten die Betroffenen mit durchschnittlich 2,5 Begleiterkrankungen eine ausgeprägte Komorbiditätslast. Diese stieg im Beobachtungszeitraum auf 3,6 an und war mit einer reduzierten Chance für eine DORIS**-Remission und eine LLDAS verbunden. Pro zusätzlicher Komorbidität sank die Chance auf Zielerreichung signifikant (Odds Ratio, OR, 0,77 für DORIS-Remission und OR 0,87 für LLDAS, je nach Modell).
Kardiometabolisches Cluster war am einflussreichsten
Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Schlaganfall, Depressionen, Fibromyalgie und Schilddrüsenerkrankungen hatten den stärksten Einfluss, berichtet das Team. Lag mindestens eine dieser Erkrankungen vor (bei 238 von 347 Betroffenen), sank die Wahrscheinlichkeit, eine stabile DORIS oder LLDAS zu erreichen, um 55 bis 60 %. Als insgesamt negativster Prädiktor galt das kardiometabolische Cluster mit dem Vorliegen von Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes und Adipositas.
Begleiterkrankungen beeinträchtigten die Therapieziele unabhängig vom bisherigen Krankheitsverlauf. Immunsuppressiva und Biologika wurden unabhängig von der Komorbiditätslast ähnlich häufig eingesetzt. Bei Patientinnen und Patienten mit höherer Komorbiditätslast zeigte sich jedoch eine persistierend höhere Krankheitsaktivität, was mit einem verzögerten Ausschleichen der Glukokortikoide verbunden war.
Komorbiditäten mit stärkerer Organschädigung verbunden
Komorbiditäten gingen insgesamt mit einer stärkeren Schädigung von verschiedenen Organsystemen einher (Incidence Rate Ratio, IRR 1,38), dieser Effekt war bei Betroffenen mit stabiler Krankheitskontrolle allerdings weniger stark. Die Ergebnisse zeigen klar, wie stark Patientinnen und Patienten mit SLE durch verschiedene Komorbiditäten belastet sind, die sich zudem negativ auf die Behandlungsziele auswirken können. Regelmäßige klinische Kontrollen und eine konsequente Anpassung der Therapien sind entscheidend, um die Krankheitskontrolle zu sichern und Organschäden vorzubeugen, so die Autorengruppe in ihrem Fazit.
* Definition Of Remission In SLE
** Systemic Lupus International Collaborating Clinics
Nikoloudaki M et al. RMD Open 2026; 12: e006424; doi: 10.1136/rmdopen-2025-006424