Bauchaortenaneurysma: Statine werden zu selten eingesetzt
Hochdosierte Statine bremsen das Wachstum beim Bauchaortenaneurysma und senken das OP-Risiko. Die Lipidsenker kommen aber nur selten zum Einsatz, zeigen zwei aktuelle Studien. Auch ohne Dyslipidämie sollten die Präparate regelhaft verordnet werden.
In Deutschland leben ca. 250.000 Menschen mit einem abdominellen Aortenaneurysma (AAA). Die Leitlinien empfehlen ein kardiovaskuläres Risikomanagement, wobei Statine eine ganz wichtige Rolle spielen, betonte Prof. Dr. Dr. Albert Busch, Universitätsklinikum Dresden. Die Vermutung, dass sich die Lipidsenker auf das Aneurysmawachstum auswirken, konnte in einer aktuellen dänischen Studie untermauert werden.
Nur etwa jeder Sechste erhielt hoch dosierte Statine
Im Rahmen der Untersuchung wurden zwei prospektive Screeningkohorten nachverfolgt. Endpunkte waren die Wachstumsrate sowie die Kombination aus OP-Indikation, Ruptur und Tod. Es zeigte sich, dass von etwa 1.000 Männern mit einem Aneurysmadurchmesser zwischen 30 und 55 mm 11 % gar kein Statin einnahmen, 24 % eine niedrige, 48 % eine mittlere und 17 % eine hohe Dosis. Im Durchschnitt lag das Wachstum bei 2,2 mm/Jahr. In der Hochdosisgruppe war es gegenüber den anderen Gruppen verlangsamt. Ein weiteres Ergebnis: Pro Verdopplung der Statindosis (defined daily doses) sank das Risiko für den kombinierten Endpunkt im Verlauf des fünfjährigen Follow-ups um je 17 %.
Leider werden AAA-Patientinnen und -Patienten noch zu selten Statine verordnet, bedauerte Prof. Busch. Wie sich die Situation über die letzten Jahrzehnte verändert hat, zeigt eine monozentrische Studie aus Amsterdam. Zwischen 1989 und 2023 haben sich Forschende zu verschiedenen Zeitabschnitten fast 8.000 konsekutive Patientinnen und Patienten mit AAA angeschaut. Dabei fiel auf, dass mehr Personen Statine einnahmen: vor 30 Jahren nur 1 %, in der letzten Zeitperiode über 50 %. Erschreckend war laut dem Referenten, dass dennoch nur 70 % der Kranken mit Dyslipidämie und nur 20 % derjenigen ohne ein entsprechendes Rezept erhalten hatten.
„Weit entfernt von den Vorgaben der Leitlinie“
Hinzu kommen Adhärenzprobleme bei der Einnahme der Medikamente im Alltag. „Wir sind also weit entfernt von den Vorgaben der Leitlinie“, stellte Prof. Busch fest. Sein Fazit: Die regelmäßige und hoch dosierte Statintherapie ist bei AAA die wertvollste Sekundärprophylaxe.
17. Interdisziplinäres Update Gefäßmedizin