Therapie beim Lymphödem

Lymphödem: Zinkleimverband verdient Comeback

08. Nürnberger Wundkongress
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Die komplexe physikalische Entstauungstherapie bleibt Goldstandard beim Lymphödem

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie bleibt Goldstandard beim Lymphödem – doch ein altbewährtes Mittel rückt wieder ins Rampenlicht: der Zinkleimverband. Dieser entstaut nicht nur, sondern beugt auch Infektionen vor.

Beim Lymphödem gilt die komplexe physikalische Entstauungstherapie als Standardbehandlung. Sie lässt sich in zwei Phasen unterscheiden: In Phase 1 soll eine Volumenreduktion erzielt werden, wodurch auch das Risiko der Patientinnen und Patienten für Infektionen sinkt, erklärte Dr. ­Michaela ­Knestele vom Wundnetz Allgäu in Marktoberdorf. In Phase 2 wird dann der Effekt aus der ersten Phase durch eine Kompressionsbestrumpfung erhalten. Insgesamt basiert die komplexe physikalische Entstauungstherapie auf fünf Säulen.

Bei der manuellen Lymphdrainage wird mittels physiotherapeutischer Techniken der Lymphfluss aktiviert, wodurch es zu einer Entstauung kommt. Als eine absolute Kontraindikation gilt die dekompensierte Herzinsuffizienz, betonte die Referentin.

Kompressionsverbände wirken Infektionen entgegen

Um die Ödemreduktion zu erhalten und weiter zu fördern, erfolgt dann eine Kompressionstherapie. Zusätzlich dient diese als Infektionsprophylaxe sowie als Behandlung bestehender Infektionen. Für die Kompression stehen verschiedene Arten von Verbänden zur Verfügung, darunter Zinkleimverbände (siehe Kasten). Außerdem wichtig zur Entstauung ist Bewegung.

Die Kompression entzieht der Haut Feuchtigkeit. Daher sollte Wert auf eine entsprechende Pflege gelegt werden. Eine gesunde Umgebungshaut beschleunigt zudem die Wundheilung. Eingetrocknete Sekrete bzw. Krusten sollten im Rahmen der Hautsanierung entfernt werden.

Als letzte und neueste Säule gilt das Selbstmanagement, das eine entsprechende Aufklärung und Schulung der Patientinnen und Patienten erfordert. Diese müssten unter anderem verstehen, warum es wichtig ist, Hautläsionen zu vermeiden, erklärte Dr. ­Knestele. Wenn eine Patientin oder ein Patient sich beispielsweise oft im Garten aufhält und dabei häufig an die Wunde stößt, können einfache Schienbeinschoner bereits Abhilfe schaffen und rezidivierenden Wunden entgegenwirken.

Zinkleimverband verdient Renaissance

Für die Entstauung stehen verschiedene Kompressionsprodukte zur Verfügung, u. a. Kurzzugbandage, Mehrkomponentensystem und Zinkleimverband. Für PD Dr. ­Gunnar ­Riepe vom Krankenhaus Heilig Geist in Boppard ist Ersteres eine „von wenigen beherrschte Kunst“ und das Mehrkomponentensystem ein teures Einmalprodukt. Der Zinkleimverband hingegen sei ein „vergessener Schatz“ – entwickelt wurde er bereits 1880.

Zunächst legt man eine sterile, wasserdurchlässige Auflage auf die Haut, wickelt dann den Zinkleimverband und schließt mit einem Superabsorber zum Auffangen der Flüssigkeit ab. Der Wickelaufwand entspreche dem von anderen Verbänden, so der Experte. Neben dem Lymphödem eignet sich der Verband bei Ulcus cruris venosum oder mixtum, Erysipel, zur Fixierung von Meshgrafts, beim Stumpfödem nach Amputation, beim Ödem nach Gefäßoperation sowie bei Sportverletzungen wie einem Muskelfaserriss. Wichtig: Bei der Verordnung sollte man die Bezeichnung Kompressionsverband mit Zinkleim verwenden. Denn der Begriff Zinkleimverband gilt ansonsten bei den Krankenkassen als Sportverband mit einer maximalen Tragedauer von 14 Tagen.

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