Diabetesprävention

Dem Gewichtsverlust zum Trotz: Nicht jeder Prädiabetes lässt sich aufhalten

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
Selbst deutlicher Gewichtsverlust schützt bei Prädiabetes nicht alle Betroffenen gleich vor Typ-2-Diabetes.

Selbst deutlicher Gewichtsverlust schützt bei Prädiabetes nicht alle Betroffenen gleich vor Typ-2-Diabetes. TULIP-Daten zeigen, welche Risikokonstellation besonders heikel ist.

Lebensstilveränderungen gelten als wirksame Prävention für Typ-2-Diabetes. Doch Daten aus dem Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm (TULIP) zeigen: Nicht alle Risikopersonen profitieren gleichermaßen von Gewichtsverlust, Ernährungsumstellung und körperlicher Aktivität.

Eine Forschungsgruppe um ­Caroline ­Meier vom Universitätsklinikum Tübingen klassifizierte Risikopatientinnen und -patienten (BMI > 27 kg/m², familiäre Vorbelastung, gestörte Glukosetoleranz oder Gestationsdiabetes in der Vorgeschichte) anhand von Körpermaßen sowie Glukose-, Lipid- und Insulinparametern in sechs Risikocluster. Die 24-monatige Intervention zielte auf eine Gewichtsreduktion von mindestens 5 % durch Ernährungsumstellung (Fettaufnahme < 30 %, Ballaststoffe 15 g/1.000 kcal) und Bewegung (mindestens 3 h/Woche) ab. Nach neun Jahren Nachbeobachtung lagen Daten von 190 Teilnehmenden vor. Davon hatten 60 ihr Gewicht um mindestens 3 % gesenkt.

Gewichtsverlust von 8 % warohne metabolischen Nutzen

In Cluster 5 (n = 17; starke Insulinresistenz, höheres Alter, erhöhter BMI) führte selbst ein anhaltender mittlerer Gewichtsverlust von 8 % nicht zu den erhofften metabolischen Verbesserungen. Stattdessen zeigte sich der stärkste Anstieg der Nüchternglykämie im Vergleich zu den anderen Gruppen, begleitet von einer ausgeprägten Abnahme der Insulinsekretion. Insgesamt entwickelten 41 % dieser Gruppe einen Typ-2-Diabetes.

In Cluster 3 (n = 10; Betazell-Defizit mit milder Insulinresistenz) hingegen bestand mit 10 % Diabetesrate ein deutlich geringeres Risiko. Ein mittlerer Gewichtsverlust von 7 % in dieser Gruppe ging mit verbesserten Nüchtern- und Zwei-Stunden-Glukosewerten sowie gesteigerter Insulinsensitivität einher. In den anderen vier Clustern (n = 33) trat kein Diabetes auf.

Die Forschenden vermuten, dass bei Cluster 5 nicht das Körpergewicht allein das Problem ist. Stattdessen könnte ein erhöhter Leberfettgehalt die Insulinsekretion der Betazellen trotz des Gewichtsverlusts dauerhaft beeinträchtigen. Dieser Mechanismus scheint therapeutisch relevanter zu sein als die reine Gewichtskontrolle, schreibt die Autorengruppe. Die verminderte Insulinsekretion besteht also fort, obwohl das Körpergewicht sinkt. smt

1.    Meier CZ et al. Diabetes 2026; 75: 965-973;doi: 10.2337/db25-0757
2.    Pressemitteilung Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Das könnte Sie auch interessieren