Darmkrebsfrüherkennung im Blut hat noch erhebliche Schwächen
Ein Bluttest zur Darmkrebsfrüherkennung liefert vielversprechende Ergebnisse, aber nur, wenn es um fortgeschrittene Stadien geht. Experten beleuchten Chancen und klare Grenzen.
Kolorektale Neoplasien setzen zellfreie DNA in die Blutbahn frei, die man sich zur Früherkennung zunutze machen kann. Ein US-Forscherteam validierte einen entsprechenden Bluttest im Rahmen einer USA-weiten Studie an rund 27.000 asymptomatischen Erwachsenen im Alter zwischen 45 und 85 Jahren und durchschnittlichem Darmkrebsrisiko. Das Ergebnis: Kolorektale Karzinome detektierte der Test zwar ziemlich zuverlässig, viele fortgeschrittene präkanzeröse Neoplasien entgingen ihm allerdings.
Der im Rahmen der PREEMPT-CRC-Studie entwickelte Test basiert auf dem Nachweis der Methylierungsmuster von Cytosin-Guanin-Dinukleotiden mittels qualitativer Next-Generation-Sequenzierung. Diese Muster kommen häufig bei fortgeschrittenen kolorektalen Neoplasien vor, erläutert Prof. Dr. Aasma Shaukat von der NYU Grossman School of Medicine in New York. Angesichts der relativ geringen Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen wie Stuhltests oder Koloskopien setzt die Wissenschaft große Hoffnungen in nichtinvasive Screeningverfahren.
Alle Studienteilnehmenden stellten eine Blutprobe für den Tumor-DNA-Test zur Verfügung und absolvierten eine Screening-Koloskopie. Der Bluttest entdeckte 57 von 72 kolorektalen Karzinomen, was einer Sensitivität von 79,2 % entspricht. Die Sensitivität hinsichtlich fortgeschrittener Präkanzerosen betrug dagegen nur 12,5 %: Der Test detektierte nur 321 von 2.567 entsprechenden Läsionen. Die Spezifität bezüglich fortgeschrittener kolorektaler Neoplasien betrug 91,5 %.
Angesichts dieser Ergebnisse halten die Forschenden den Bluttest für eine Screeningoption für Menschen mit mittlerem Tumorrisiko. Die größere Akzeptanz des Bluttests in der Bevölkerung gleiche möglicherweise auf lange Sicht seine geringere Sensitivität bezüglich fortgeschrittener Präkanzerosen aus, meinen sie.
Sensitivität nichtinvasiver Screeningtests lässt noch zu wünschen übrig
Dr. Jason Dominitz von der Veterans Health Administration in Washington D. C. und Kolleginnen und Kollegen geben in einem Kommentar zu bedenken: Der Bluttest kann nur dann die kolorektale Mortalität senken, wenn Menschen, die ansonsten gar kein Screening in Anspruch nehmen würden, sich für den Test entscheiden. Der Ersatz eines immunchemischen Stuhltests oder einer Darmspiegelung durch den Bluttest kann sich dagegen negativ auf das Sterberisiko auswirken, unterstreichen sie. Gegenwärtig wird intensiv daran gearbeitet, die Sensitivität nichtinvasiver Screeningtests zu verbessern, betonen sie. Bis entsprechende Ergebnisse vorliegen, sollten Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten zur koloskopie- und stuhltestbasierten Darmkrebsfrüherkennung raten und Bluttests ausschließlich denjenigen Personen empfehlen, die die genannte Strategie kategorisch ablehnen.
1. Shaukat A et al. JAMA 2025; doi: 10.1001/jama.2025.7515
2. Dominitz JA et al. JAMA 2025; doi: 10.1001/jama.2025.7557