Frühstart mit Vedolizumab bei Morbus Crohn zahlt sich aus
Tiefe Remission, wenig Nebenwirkungen – unter welchen Bedingungen erreicht man diese ehrgeizigen Ziele unter Vedolizumabtherapie bei Morbus Crohn am ehesten?
Menschen mit Morbus Crohn können von der Therapie mit dem IgG-Antikörper Vedolizumab profitieren. Der Wirkstoff blockiert das Protein α₄β₇-Integrin auf der Oberfläche darmselektiver zirkulierender Immunzellen und verhindert deren Bindung an und Invasion in die Darmmukosa, erläutert Prof. Dr. Geert D’Haens von der Universität Amsterdam. Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam ging er im Rahmen der LOVE-CD-Studie der Frage nach, inwiefern die Krankheitsdauer die Erfolgsaussichten der Vedolizumabbehandlung beeinflusst.
An der zwischen 2015 und 2022 an 22 Zentren in Belgien, Ungarn und den Niederlanden durchgeführten Phase-4-Studie nahmen 260 Erwachsene mit einer mäßigen bis schweren Morbus-Crohn-Erkrankung teil. Bei 86 Personen lag die Diagnose höchstens zwei Jahre zurück. Sie hatten bislang keine Therapie oder lediglich Kortikosteroide oder Immunmodulatoren erhalten. Die übrigen 174 Personen litten länger als zwei Jahre an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und hatten außer Kortikosteroiden und Immunmodulatoren Anti-TNF*-Wirkstoffe erhalten. Alle Teilnehmenden vollzogen ein Jahr lang eine intravenöse Therapie mit Vedolizumab.
Am stärksten profitieren früh behandelte Biologikanaive
Den strengen primären Endpunkt – die tiefe Remission, also die Kombination aus klinischer und endoskopischer Remission, nach sowohl 26 als auch 52 Wochen – erreichten 31,4 % der früh, aber nur 8,6 % der erst spät mit Vedolizumab behandelten Personen. Die Crohn-Erkrankten mit kurzer Krankheitsanamnese hatten einen weiteren Vorteil: Nur 3,5 % von ihnen erlitten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Infektionen, chirurgische Eingriffe, Schübe, intestinale Obstruktionen oder maligne Tumoren. Dagegen waren 26,4 % der Personen mit spätem Einsatz des Biologikums von solchen Komplikationen betroffen. Die größten Chancen auf das bestmögliche Behandlungsergebnis bestehen demnach möglicherweise bei biologikanaiven Personen mit kurzer Krankheitsdauer.
Prof. Dr. Marte Høivik von der Universität Oslo gibt zu bedenken, dass sich die beiden Studienkollektive nicht nur bezüglich der Krankheitsdauer, sondern auch bezüglich der Art der Vorbehandlung sowie der klinischen Charakteristika unterschieden: Personen mit längerer Crohn-Anamnese hatten beispielsweise im Vorfeld bereits Biologika erhalten und litten möglicherweise an ausgeprägteren Gewebeveränderungen. Auch die mit sieben Jahren relativ lange Rekrutierungsphase beeinträchtigt ihrer Ansicht nach die Aussagekraft der Studie. Insgesamt sieht sie erheblichen weiteren Forschungsbedarf: Außer der Wirksamkeit, der Langzeitsicherheit und der optimalen Therapiesequenz, insbesondere bei jungen Betroffenen, sei der gesundheitsökonomische Aspekt des frühzeitigen Biologikaeinsatzes zu klären.
* Tumornekrosefaktor
1. D’Haens GR et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2026; 11: 12-21; doi: 10.1016/S2468-1253(25)00233-X
2. Høivik ML. Lancet Gastroenterol Hepatol 2026; 11: 2-3; doi: 10.1016/S2468-1253(25)00258-4