Glutenproblem, gestörte Darm-Hirn-Achse – oder was anderes?
Wenn Patientinnen und Patienten von einer Glutensensitivität berichten, steckt womöglich gar kein tatsächliches Problem mit dem Klebereiweiß dahinter. Oft spielen gestörte Darm-Hirn-Funktionen und Auffälligkeiten beim Essverhalten die Hauptrolle.
Eine selbst angegebene Glutensensitivität (Non-Celiac Gluten Sensitivity, NCGS) ist womöglich nicht auf eine spezifische Reaktion auf Gluten zurückzuführen. Häufig bestehen gleichzeitig Störungen der Darm-Hirn-Interaktion oder Symptome eines vermeidend-restriktiven Essverhaltens. Das zeigt eine populationsbasierte Onlinebefragung aus den USA und Großbritannien.
Ein Drittel der Betroffenen zeigte komorbide Essstörung
Die Rekrutierung erfolgte 2023 über eine allgemeine Gesundheitsumfrage ohne Bezug zu Gluten, Magen-Darm- oder Essstörungen. Von den 4.002 teilnehmenden Erwachsenen berichteten 14,2 % über eine Glutensensitivität, eine Zöliakie gaben 0,82 % der Befragten an. Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit NCGS berichteten zudem deutlich häufiger über Beschwerden nach dem Verzehr anderer Lebensmittel. Besonders oft wurden Milchprodukte (adjustierte Odds Ratio, aOR, 5,17) und zuckerhaltige Lebensmittel (aOR 7,44) genannt. Im Median bestanden drei weitere Nahrungsmittelunverträglichkeiten gegenüber keiner in der Vergleichsgruppe.
Die Kriterien für eine gestörte Darm-Hirn-Interaktion erfüllten 58,7 % der Befragten mit Glutensensitivität gegenüber 40,3 % ohne diese Problematik (aOR 1,80). Für Symptome einer vermeidend-restriktiven Ernährungsstörung (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder, ARFID) lagen die Anteile bei 34,8 % versus 24,3 % (aOR 1,46). Knapp ein Viertel der NCGS-Gruppe erfüllte die Kriterien für alle drei Merkmale gleichzeitig.
Deutliche Hinweise auf ein komplexes Beschwerdemuster
Die Kombination aus selbstberichteter Glutensensitivität, gestörter Darm-Hirn-Interaktion und ARFID war mit der höchsten psychischen Belastung, mehr somatischen Beschwerden, häufigeren Arztkontakten und einer schlechteren Lebensqualität verbunden. Das Studienteam sieht in diesen Ergebnissen einen Hinweis, dass die selbst angegebene Glutensensitivität bei vielen Betroffenen eher ein lebensmittelbezogenes Beschwerdemuster als eine spezifische Glutenpathologie beschreibt.
Shiha MG et al. United European Gastroenterol J 2026; 14: e70256; doi: 10.1002/ueg2.70256