Konservierungsstoffe im Verdacht: Krebsrisiko steigt
Eine französische Kohortenstudie mit über 100.000 Teilnehmenden zeigt: Bestimmte Konservierungsstoffe könnten das Risiko für Brust-, Prostata- und Darmkrebs erhöhen. Die Daten rütteln an der bisherigen Sicherheitsbewertung.
Konservierungsstoffe, die Nahrungsmittel vor dem Verderben schützen sollen, haben wohl auch ihre Schattenseiten. Eine große prospektive Kohortenstudie hat gezeigt, dass v. a. nichtantioxidative Wirkstoffe wie Sorbate, Sulfite und Nitrate mit einem höheren Risiko für bestimmte Krebsentitäten assoziiert sind.
Ein Fünftel aller Nahrungsmittel enthält Konservierungsstoffe, die das Wachstum von Mikroorganismen oder Oxidationsprozesse einschränken sollen. Die Lebensmittel bleiben so länger frisch. In-vitro-Studien ließen aber den Verdacht aufkommen, dass einige dieser Zusätze zytotoxische Eigenschaften haben oder die Zellproliferation steigern. In diesem Zusammenhang vermutete man auch karzinogene Effekte.
Ein Forschungsteam um Anaïs Hasenböhler, Universität Sorbonne, Paris, wollte dieser These mittels einer prospektiven Studie mit über 100.000 Teilnehmenden auf den Grund gehen. Die Probandinnen und Probanden füllten zu Beginn und dann alle sechs Monate einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten über jeweils 24 Stunden aus. Im Schnitt komplettierten sie 21 Fragebogen. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 7,57 Jahre. Mithilfe der NutriNet-Santé-Datenbank wurden die enthaltenen Konservierungsstoffe errechnet. Dabei berücksichtigten die Forschenden Zusätze mit antioxidativer und nichtantioxidativer Wirkungsweise.
Zunahme vor allem bei Brust- und Prostatakrebs
Zwischen 2009 und 2023 wurde bei 4.226 Teilnehmenden ein Karzinom diagnostiziert – am häufigsten Brustkrebs, Prostatakrebs und kolorektale Tumoren. Ein höherer Konsum einzelner Konservierungsmittel war dabei mit einer höheren Inzidenz an Krebserkrankungen insgesamt sowie an Mamma- und Prostatakarzinomen assoziiert. So fanden sich Hazard Ratios zwischen 1,11 und 1,32 beim Vergleich der Gruppe mit hohem Konsum im Vergleich zu denen mit fehlendem oder niedrigem Konsum für folgende Substanzen: Nichtantioxidanzien gesamt, Sorbate gesamt, Kaliumsorbat, Sulfite gesamt, Kaliummetabisulfit, Natriumnitrit, Kaliumnitrat, Acetate gesamt, Essigsäure und Natriumerythorbat. Für elf der 17 einzeln betrachteten Zusatzstoffe ließ sich kein Zusammenhang mit einer Krebserkrankung nachweisen.
Die neuen Daten erlauben zwar keinen Rückschluss auf einen Kausalzusammenhang, schränkt das Autorenteam ein. Dazu bedürfe es weiterer epidemiologischer Kohortenstudien sowie In-vivo- und In-vitro-Untersuchungen, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu erforschen. Es spricht sich jedoch dafür aus, den Gehalt an Konservierungsstoffen in Lebensmitteln weitestmöglich einzuschränken. Der Zugang zu frischen, saisonalen und hausgemachten Produkten sollte gefördert werden.
In einem flankierendnen Kommentar geben Xinyu Wang und Prof. Dr. Edward Giovannucci von der Chan School of Public Health Boston zu bedenken, dass man auch die Nahrungsmittelklassen berücksichtigen müsste, in denen die Zusatzstoffe enthalten sind. So finden sich die meisten Nitrite und Nitrate in verarbeitetem Fleisch und Sulfite hauptsächlich in alkoholischen Getränken. Beide gelten als karzinogen. Außerdem müsste das Zusammenwirken von Konservierungsstoffen und anderen chemischen Komponenten in Nahrungsmitteln weiter erforscht werden. Die Erkenntnisse über karzinogene Effekte von Zusatzstoffen entwickeln sich weiter. Deren weit verbreiteter und oft wenig kontrollierter Einsatz sollte zumindest überdacht werden, so die Meinung der Forschenden aus den USA.
1.Hasenböhler A et al. BMJ 2026; 392: e084917; doi: 10.1136/bmj-2025-084917
2.Wang X, Giovannucci E. BMJ 2026; 392: r2613; doi: 10.1136/bmj.r2613