Magenkarzinom-Screening: Auf Risikopersonen ab 40 Jahren fokussieren
Magenspiegelung für alle? Internationale Leitlinien sind sich einig, dass dies in den meisten Ländern – und so auch in Deutschland – weder notwenig noch kosteneffektiv ist. Bei bestimmten Risikogruppen ist es dafür umso wichtiger, nicht nur endoskopisch zu screenen, sondern auch bioptisch abzusichern.
Die aktuelle S3-Leitlinie Magenkarzinom empfiehlt explizit kein bevölkerungsbasiertes endoskopisches Screening auf Magenkarzinome bei symptomlosen Personen. Deutschland ist kein Hochprävalenzland wie Japan oder Südkorea, eine allgemeine Früherkennung per Magenspiegelung kosteneffektiv zu gewährleisten, ist unwahrscheinlich. Sinn macht die Früherkennung bei Personen mit hohem Risiko. Die Definition der Risikogruppen ist noch in Diskussion, berichtete Prof. Dr. Helmut Messmann vom Universitätsklinikum Augsburg. Ein hohes Risiko haben laut der S3-Leitlinie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS):
erstgradige Verwandte von Personen mit Magenkarzinom
Personen, die in Helicobacter-pylori-Hochprävalenzgebieten und Hochinzidenzgebieten für das Magenkarzinom geboren und/oder aufgewachsen sind (Asien, Osteuropa, Mittel- und Südamerika)
Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener, korpusprädominanter atrophischer Gastritis mit oder ohne intestinaler Metaplasie (OLGA 3/4, OLGIM 3/4)
Patientinnen und Patienten mit früheren Magenneoplasien (Adenom, Frühkarzinom) nach endoskopischer Resektion oder Magenteilresektion
Weitere Faktoren für ein erhöhtes Risiko für Nicht-Kardia-Magenkarzinome sind Alter, männliches Geschlecht, Übergewicht, niedriger sozioökonomischer Status, Tabakrauchen und hoher Alkoholkonsum.
Risikopersonen für Magenkarzinome ab etwa 40 Jahren screenen
Personen mit einem erhöhten Magenkarzinomrisiko sollten auf Helicobacter pylori getestet werden. Eine endoskopisch-bioptische Untersuchung sollte Risikopersonen nach der deutschen S3-Leitlinie ab einem Alter von 40 Jahren angeboten werden. Die European Society of Gastrointestinal Endoscopy empfiehlt die Endoskopie mit Biopsien bei hohem Risiko und einem Alter von 45 Jahren oder zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter eines betroffenen erstgradig Verwandten.
Laut S3-Leitlinie Magenkarzinom der DGVS ist Helicobacter pylori der wesentliche Risikofaktor für das Magenkarzinom. Lesen Sie, welche Therapien sich gegen H. pylori als effektiv erwiesen haben:
Die Eradikation von Helicobacter pylori ist eine Herausforderung. Die derzeit angewandten Therapieschemata erreichen keine 100%ige Heilungsrate. Mit der Bismut-Quadrupeltherapie kommt man diesem Ziel aber lngsam näher.
Eine Eradikationstherapie bei Infektion mit Helicobacter pylori senkt das Risiko für Magenkrebs. Die Eliminierung des Keims verlängert aber offenbar auch das Leben von Patienten, die bereits an einem Magenkarzinom erkrankt sind.
Welche effektiven Rescue-Strategien stehen zur Verfügung, wenn vorausgegangene Eradikationsversuche fehlgeschlagen sind? Vonoprazan plus Tetrazyklin war als Rescue-Therapie gegen Helicobacter pylori in einer randomisierten Studie der Bismut-Quadrupeltherapie nicht unterlegen und sogar besser verträglich.
Lange Zeit galt eine Infektion mit Helicobacter pylori als lästig, aber gut behandelbar. Doch das Bakterium hat dazugelernt. Resistenzen häufen sich und damit verlieren bewährte Antibiotika ihre Effektivität.
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