Säureblocker in der Schwangerschaft

PPI-Exposition ohne Risiko für neurologische Störungen beim Kind

Aus der Fachliteratur
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Besteht eine Assoziation zwischen der Einnahme von Protonenpumpenhemmern in der Schwangerschaft und kindlicher Epilepsie?

Eine Kohortenstudie mit über 2,7 Millionen Mutter-Kind-Paaren zeigt: Protonenpumpenhemmer und H₂-Blocker in der Schwangerschaft erhöhen nicht das Risiko für ADHS, Autismus oder andere neuropsychiatrische Störungen beim Kind.

Protonenpumpenhemmer (PPI) und H2-Antagonisten werden in der Schwangerschaft häufig gegen Sodbrennen und gastroösophageale Refluxkrankheit verordnet. Es gab jedoch aus jüngeren Studien Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der pränatalen Exposition gegenüber Säureblockern und negativen Auswirkungen im Kindesalter. Außerdem soll eventuell eine Assoziation zwischen PPI-Einnahme und kindlicher Epilepsie bestehen. Das wirft allgemein die Frage auf, ob Säureblocker die neurologische Entwicklung der Ungeborenen beeinträchtigen.

Ein Forschersteam aus Korea prüfte die Wirkung nun in einer retrospektiven Kohortenstudie. In die Analyse gingen Daten von Mutter-Kind-Paaren aus nationalen Krankenversicherungsdaten der Geburtsjahrgänge 2010 bis 2017 ein. Fünf Manifestationen wurden untersucht: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Erkrankungen aus dem Autismusspektrum (ASD), geistige Behinderung, schwere neuropsychiatrische Erkrankungen und Zwangsstörungen.

Es wurden 2.777.119 Mutter-Kind-Paare berücksichtigt. Von diesen hatten sich 507.845 einer pränatalen Säuresuppression unterzogen, die Nachbeobachtung erfolgte im Mittel über zehn Jahre. In der auswertbaren Vergleichskohorte waren schließlich 403.658 Paare exponiert und 403.659 nicht, schreibt das Autorenteam um Seohyun Hong vom Kyung Hee University College of Medicine in Seoul. Das ADHS-Risiko der Nachkommen mit und ohne säuresuppressive Medikation lag bei 4,85 % bzw. 4,25 % (adjustierte Hazard Ratio, aHR, 1,14). Eine Störung aus dem Autismusspektrum entwickelten 1,45 % gegenüber 1,33 % (aHR 1,07), eine geistige Behinderung 1,25 vs. 1,09 % (aHR 1,13). Schwer neuropsychiatrisch erkrankten 0,94 % vs. 0,81 % der Kinder (aHR 1,16). Zwangsstörungen traten bei 0,30 % und 0,27 % auf (aHR 1,12).

Auch bei Geschwistern keine Effekte

Geschwisterkontrollen von 157.069 exponierten und 164.669 nicht exponierten Kindern ergaben ebenfalls keine signifikanten Assoziationen zwischen pränataler Säurehemmung und Störungen der neurologischen Entwicklung. Somit ließ sich kein Nachweis für einen Zusammenhang zwischen Säurehemmung in der Gravidität und dem Risiko für die untersuchten Störungen finden.

Hong S et al. JAMA 2025; doi: 10.1001/jama.2025.23956    

Dr. Dorothea Ranft

Freie Autorin
Dr. Dorothea Ranft ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die damit assoziierten Fachpublikationen tätig.

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