Unvollständig HLA-kompatible Stammzelltransplantation

Transplantationserfolg mit PTCγ trotz stärkerem Donor-Mismatch

Aus der Fachliteratur
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|Lesezeit: 2 Min
Lara Sommer
Redakteurin Medical Tribune Onkologie · Hämatologie
Menschen nichteuropäischer Abstammung haben schlechtere Chancen, vollständig passende Fremdspender:innen zu finden.

In der ACCESS-Studie schien die Prognose nach allogener Stammzelltransplantation auch dann günstig, wenn nur 6/8 HLA-Merkmale übereinstimmten. Dies spricht dafür, dass Ärzt:innen in der Ära von Posttransplant-Cyclophosphamid unter bestimmten Voraussetzungen mehr Mismatch riskieren können.

Posttransplant-Cyclophosphamid (PTCγ) kann die Risiken unvollständig gematchter Stammzelltransplantationen reduzieren. In einer erweiterten Kohorte der ACCESS-Studie schien das Outcome bei einer peripheren Blutstammzelltransplantation unverwandter Spender:innen vielversprechend – auch bei stärkerem HLA-Mismatch.

Forschende nutzen in ACCESS junge, unvollständig HLA-gematchte Spender:innen

Forschende um Prof. Dr. Antonio M. Jimenez Jimenez, University of Miami Miller School of Medicine, Miami, werteten Daten von 268 Erwachsenen aus, die eine periphere Blutstammzelltransplantation von jungen, unverwandten und unvollständig HLA-gematchten Spender:innen erhielten. Letztere waren sämtlich 18–35 Jahre alt. In 183 Fällen stimmten sieben von acht Merkmalen überein, bei 85 Behandelten weniger. Unter denen mit geringerer Übereinstimmung bekamen gut 80 % ein 6/8-gematchtes Transplantat.

Allogeneic cell therapy and regenerative treatment as an innovative medical treatment using mass produced gene edited cells from healthy donors to provide patients with an immediate  cure against complex diseases as cancer as a medical illustration.
© freshidea – stock.adobe.com
GvHD-Prophylaxe bei allogener Stammzelltransplantation
ATG/ATLG toppt PTCγ und bleibt aktueller Standard
ATG/ATLG plus Tacrolimus/MMF bleibt Standard bei einer HLA-kompatiblen Transplantation.

Alle Transplantatempfänger:innen erhielten zur GvHD-Prophylaxe PTCγ, Tacrolimus und Mycophenolat-Mofetil. Unter diesen Voraussetzungen unterschieden sich die Komplikationsraten kaum nach dem Ausmaß des Mismatch. Die kumulative Rate einer akuten GvHD vom Grad ≥ 2 an Tag 100 lag in der 7/8-Gruppe bei 36,6 % und in der ≤7/8-Kohorte bei 28,3 %. Hochgradige Verläufe betrafen jeweils deutlich unter 10 %. Nach einem Jahr hatten 11,3 % bzw. 7,7 % eine moderate bis schwere chronische GvHD entwickelt.

 

Gesamtüberleben und Rezidivrate bei stärkerem HLA-Mismatch mit PTCγ ähnlich

Auch das Outcome beeinflusste die HLA-Übereinstimmung offenbar wenig. Nach einem Jahr lebten noch 78,6 % in der 7/8-Kohorte und 85,6 % der Empfänger:innen mit größerem Mismatch. Weitere klinische Kennzahlen ähnelten sich ebenfalls:

  • Rezidiv innerhalb eines Jahres: 17,1 % vs. 22,8 %

  • nichtrezidivbedingte Mortalität: 13,7 % vs. 8,4 %

  • Ein-Jahres-Überleben ohne Rezidiv oder GvHD: 51,1 % vs. 54,6 %

Die Autor:innen fassen zusammen, dass eine periphere Stammzelltransplantation von unverwandten, überwiegend 6/8-gematchten Donor:innen trotz des stärkeren Mismatch ermutigende Ein-Jahres-Resultate erreichte. Zu den spezifischen Voraussetzungen zählten Posttransplant-Cyclophosphamid und sorgfältig ausgewählte, junge Spender:innen.

Dies spreche vorsichtig dafür, ausgewählte junge 6/8-gematchte Spender:innen in Betracht zu ziehen, wenn konventionelle Donoroptionen unpraktisch oder nicht verfügbar sind. Davon könnten vor allem Patient:innen nichteuropäischer Abstammung profitieren. Die Wissenschaftler:innen mahnen allerdings, dass es sich bei der Analyse um einen explorativen Vergleich handelt, der keine Äquivalenz beweist.

Jimenez Jimenez AM et al. Blood Adv 2026; doi: 10.1182/bloodadvances.2026021081

Lara Sommer

Lara Sommer

Redakteurin Medical Tribune Onkologie · Hämatologie
Lara Sommer ist Teil der momentan vierköpfigen Onkoredaktion in Wiesbaden. Schon seit sie in Marburg und Greifswald Humanbiologie studiert hat, gilt ihr besonderes Interesse der Onkologie sowie seltenen Erkrankungen. Im Herbst 2022 begann sie als Volontärin in der Redaktion der Medical Tribune Onkologie · Hämatologie und lernte, Fachwissen mit ihrer Vorliebe für das geschriebene Wort zu kombinieren. Seit Herbst 2024 führt sie ihre Arbeit als Redakteurin fort.

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