Wie Statine AML-Risiko und -Prognose beeinflussen
Schützen Statine vor einer AML-Erkrankung oder Betroffene vor dem Tod durch die Krankheit? PD Dr. Madlen Jentzsch resümiert anlässlich des ASH 2025, was Real-World-Daten verraten.
Bereits 2012 suggerierten Nielsen et al. in einer dänischen Populationsstudie einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Statinen vor einer Krebsdiagnose und der Krebssterblichkeit.1 Entsprechende Daten zu einem eventuellen Einfluss von Statinen auf die Entwicklung einer Akuten Myeloischen Leukämie (AML) fehlten aber bisher und wurden nun auf der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) von Jowan Al-Nusair aus den USA vorgestellt.2 In einer retrospektiven Kohortenstudie auf Grundlage von Real-World-Daten im TriNetX – einer globalen Forschungsplattform für das Gesundheitswesen – wurden zwei Fragen evaluiert.
Zunächst wurde in einer Population von hämatologisch gesunden Individuen ohne dokumentierte Krebserkrankung der Einsatz von Statinen mit der Inzidenz einer AML korreliert. Alle hatten aufgrund einer ischämischen Herzerkrankung oder Hyperlipidämie die Indikation zur Einnahme von Statinen – knapp 5 Millionen Individuen wurden behandelt, während in knapp 9 Millionen Fällen keine Statinexposition zu verzeichnen war. Nach Propensity Score Matching für Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft konnten knapp 5 Millionen Individuen pro Arm analysiert werden. Es zeigte sich eine signifikant höhere AML-Inzidenz von 27,1 pro 100.000 Einwohner:innen in den Individuen ohne vorherige Statinexposition verglichen mit 17,7 pro 100.000 Einwohner:innen nach vorheriger Statinexposition, was einem 1,6-fach höheren AML-Risiko ohne Statin entspricht (p < 0,001).
Nach zehn Jahren lebten deutlich noch mehr AML-Erkankte
Im zweiten Schritt wurden Patient:innen in Bezug auf ihr Gesamtüberleben nach Diagnosestellung einer AML analysiert. Nach Propensity Score Matching für oben genannte demographische Variablen sowie Komorbiditäten, die applizierte Chemotherapie sowie den Einsatz einer allogenen Stammzelltransplantation konnten je über 22.000 Patient:innen mit bzw. ohne vorherige Statinexposition bezüglich ihrer Sterblichkeit analysiert werden. Hier zeigte sich eine Zehn-Jahres-Überlebensrate von 31,4 % ohne Statinexposition verglichen mit 43,7 % mit Statinexposition, was einer 1,5-fach höheren Mortalität ohne Statinexposition entspricht (p < 0,001).
Die Autor:innen betonten hierbei, dass selbst eine geringe absolute Reduktion der AML-Inzidenz durch Statine auf populationsbasierter Ebene relevante Einflüsse haben kann – insbesondere, wenn man deren häufigen Einsatz in der Allgemeinbevölkerung bedenkt. Als Limitationen der Studie müssen ihr retrospektiver Charakter und die Möglichkeit eines Bias hin zu mehr gesundheitsbewussten Individuen in der Gruppe mit Statinexposition erwähnt werden. Auch können selbstverständlich keine Rückschlüsse auf das AML-Risiko bzw. die Sterblichkeit von Patient:innen gezogen werden, die keine Erkrankung mit Indikation für den Einsatz von Statinen aufweisen. Selbstverständlich sollten die Daten in mechanistischen Analysen sowie prospektiven Studien bestätigt werden. Dennoch kann die gezeigte Studie schon jetzt zusätzliche Gründe liefern, Patient:innen mit Erkrankungen, die den Einsatz von Statinen rechtfertigen, auch konsequent mit solchen zu behandeln.
Quellen:
1. Nielsen SF et al. N Engl J Med 2012; 367(19): 1792-802; doi: 10.1056/NEJMoa1201735
2. Al-Nusair J et al. 67th ASH Annual Meeting 2025; Abstract 446