Antibiotika erhöhen Infektionsrisiko beim Kind
Eine dänische Metaanalyse mit Daten von fünf Millionen Kindern zeigt: Wird in der Schwangerschaft ein Antibiotikum verabreicht, erhöht sich das Infektionsrisiko des Nachwuchses. Insbesondere die Wahrscheinlichkeit für Atemwegsinfekte steigt.
Mütter, die während der Schwangerschaft mit Antibiotika behandelt werden, müssen damit rechnen, dass ihre Kinder später möglicherweise häufiger Infektionen erleiden. Das berichtet ein dänisches Forscherteam um Kareen Alon von der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Herlev, das die Daten von rund fünf Millionen Kindern auswertete. Antibiotika zählen zu den am häufigsten während der Schwangerschaft verordneten Medikamenten. Weltweit beträgt die Verschreibungsprävalenz etwa 24 %, in den westlichen Ländern sogar bis zu 40 %. Atem- und Harnwegsinfekte stellen die häufigsten Verschreibungsindikationen dar. Die Antibiotikatherapie während der Schwangerschaft scheint allerdings nicht ungefährlich zu sein: Zunehmend zeichnet sich ab, dass die pränatale Exposition das spätere Infektionsrisiko der Kinder erhöht. Beeinträchtigungen des Mikrobioms und des sich entwickelnden fetalen Immunsystems werden als Ursachen hierfür diskutiert.
Risiko für Infektionskrankheiten jeglicher Art um ein Drittel erhöht
Das Wissenschaftlerteam unterfüttert diese Beobachtungen nun mit den Ergebnissen einer Auswertung von 14 Kohortenstudien. Alle hatten das Infektionsrisiko pränatal antibiotikaexponierter Kinder nach der Neugeborenenperiode (28 Lebenstage), spätestens bis zum Alter von 14 Jahren, untersucht. Zwölf Studien unterzogen die Forschenden einer Metaanalyse. Das Ergebnis: Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft mit Antibiotika behandelt worden waren, hatten ein um ein Drittel erhöhtes Risiko für jegliche Infektionserkrankung (OR 1,33). Die Analyse von sechs Studien mit hoher Qualität, an welchen rund 3,6 Millionen Kinder teilgenommen hatten, ergab sogar eine Risikozunahme um nahezu 50 % (Odds Ratio, OR, 1,48). Die Forschenden fanden weiterhin heraus, dass nach pränataler Antibiotikaexposition insbesondere das Risiko für obere Atemwegsinfektionen, also Hals-, Nasen- und Ohreninfektionen, deutlich zunahm (OR 1,40). Mehr als 2,8 Millionen Kinder lieferten die Datenbasis für diese Analyse.
Angesichts dieser Beobachtungen mahnen die Autorinnen und Autoren zum umsichtigen Einsatz von Antibiotika während der Schwangerschaft. Sie gehen davon aus, dass sowohl der Zeitpunkt als auch die Intensität der Exposition das kindliche Infektionsrisiko beeinflussen: Vermutlich seien insbesondere Behandlungen im letzten Trimenon sowie Mehrfachtherapien problematisch. Sie sehen erheblichen weiteren Forschungsbedarf – beispielsweise hinsichtlich der biologischen Mechanismen, der trimesterspezifischen Vulnerabilität sowie des Einflusses potenzieller Störvariablen wie der Frühgeburtlichkeit oder des Geburtsmodus.
Alon K et al. Thorax 2025; doi: 10.1136/thorax-2025-223634