Vorbehalte unter der Lupe

Aufklärung bekämpft Impfskepsis

Aus der Fachliteratur
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Für erfolgreiche Impfkampagnen sind sowohl individuelle Aufklärung als auch strukturelle Maßnahmen erforderlich.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen Impfungen ablehnen. Manche Vorbehalte lassen sich durch Aufklärung aufheben, andere sind resistenter, wie eine britische Studie anhand von Daten aus der Corona-Pandemie demonstriert.

Obgleich wirksame Impfstoffe zur Verfügung standen, zeigte sich ein Teil der Bevölkerung Englands während der Pandemie skeptisch gegenüber der COVID-19-Impfung. Ausmaß und Ursachen unterschieden sich dabei nach demografischen Merkmalen. Den Hintergründen und unterschiedlichen Ausprägungen der Impfbedenken gingen Forschende um Dr. Matthew Whitaker vom Imperial College in London jetzt im Rahmen einer landesweiten Kohortenstudie auf den Grund. 

Hierfür werteten sie Umfragedaten der REACT*-Studien aus, die zwischen 2020 und 2022 die Verbreitung von SARS-CoV-2 anhand von zufällig ausgewählten Stichproben der Bevölkerung erfasst hatten. Eine Querschnittanalyse diente zur Feststellung der Impfskepsis zum Ausgangszeitpunkt, gefolgt von einer Längsschnittuntersuchung zur Erfassung der Impfhistorie zögerlicher Personen nach der Befragung.

Anteil skeptischer Personen erreichte Anfang 2021 seinen Höchststand

Die Daten von 1.137.927 Teilnehmenden ab 18 Jahren flossen in die Auswertung ein. Während des gesamten Studienzeitraums gaben 37.982 Befragte (3,3 %) an, bei der Impfung unentschlossen zu sein. Der Anteil skeptischer Personen erreichte Anfang 2021 mit 8 % seinen Höchststand, fiel zum Jahresbeginn 2022 auf 1,1 % und stieg im Frühjahr 2022 wieder auf 2,2 % an. 

Von 24.229 der Vakzinierung zurückhaltend gegenüberstehenden Menschen stimmten 15.744 (65 %) später mindestens einer Impfung zu, berichtet die Autorengruppe. Die Ursachen der Unsicherheiten ließen sich in acht Cluster einordnen, darunter: 

Im Verlauf der Impfkampagne nahm die Prävalenz der häufigsten Kategorien wie Zweifel an Effektivität und Sicherheit deutlich ab, sodass diese nur einen geringen Einfluss auf die spätere Impfwahrscheinlichkeit hatten. Bestimmte Ausprägungen der Impfskepsis jedoch, die auf Misstrauen, niedriger Risikoeinschätzung und grundsätzlich ablehnender Haltung beruhten, zeigten sich deutlich beständiger und führten häufiger dazu, dass sich Betroffene nicht impfen ließen. 

Konsequenzen für künftige Impfkampagnen

Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Formen der Unsicherheiten auf Bedenken beruhen, die durch zusätzliche Informationen über die Zeit abgebaut werden können. Daraus ergeben sich wichtige Hinweise für künftige Impfkampagnen, schreibt die Arbeitsgruppe. 

Die Studie liefert wertvolle Einblicke, wie unterschiedliche Formen von Impfskepsis das Impfverhalten beeinflussen, schreiben Dr. Claudia Palmieri und Prof. Dr. Silvio Tafuri von der Aldo-Moro-Universität Bari in einem Kommentar. Für erfolgreiche Impfkampagnen seien sowohl individuelle Aufklärung als auch strukturelle Maßnahmen erforderlich.

* Real-time Assessment of Community Transmission

1. Whitaker M et al. Lancet 2026; doi: 10.1016/S0140-6736(25)01912-9

2. Palmieri C, Tafuri S. Lancet 2026; doi: 10.1016/S0140-6736(25)02601-7

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