Sicherheit und Wirksamkeit von mRNA-Impfungen bestätigt
Impfstoffe auf der Basis von mRNA schützen wirksam gegen COVID-19 und sind außerdem sicher. Das bestätigt erneut ein aktuelles Review. Die Technologie wird auch bereits bei anderen Infektionskrankheiten und Krebs untersucht.
Die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen zählt zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts. Sie basiert auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung zu RNA-Biologie, Lipidnanopartikel-Trägersystemen und Vakzinologie. Die Pandemie wirkte wie ein Katalysator, der schließlich zu einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Zulassungsbehörden führte. Das ermöglichte es, mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 gezielt zu entwickeln und letztendlich zuzulassen.
Die Vakzinen erwiesen sich in großen Studien und anschließend auch unter Alltagsbedingungen als hoch wirksam und sicher. Da sie sich aber weiterentwickeln, ist es wichtig, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Technologie aufrechtzuerhalten – insbesondere im Zeitalter von Fehlinformationen und der Politisierung der Impfdebatte.
Wie funktionieren mRNA-Impfungen?
mRNA-Impfstoffe schleusen einen Strang synthetischer mRNA in das Zytoplasma der Körperzellen ein. Dieser wird dort von den Ribosomen in das kodierte Antigenprotein übersetzt, etwa das Spike-Protein von SARS-CoV-2. Nach der Synthese erkennen antigenpräsentierende Zellen das Antigen, was sowohl die zelluläre als auch die humorale Immunität stimuliert.
Anaphylaxien sowie Myo- und Perikarditis sind selten
Forschende um Prof. Dr. Anna Blakney von der University of British Columbia in Vancouver trugen die aktuelle Evidenz zu Wirksamkeit und Sicherheit der mRNA-Impfungen in einem narrativen Review zusammen. Darin eingeschlossen wurden Daten aus der Laborforschung, klinischen Studien und dem Versorgungsalltag.
Zu schweren Nebenwirkungen kommt es offenbar nur selten. Kurz nach Einführung der Impfstoffe wurden zwar Fälle schwerer Anaphylaxie nach der ersten Dosis von BNT162b2 und mRNA-1273 gemeldet, mit Raten von bis zu 10 pro 1.000.000 Geimpften in den USA. In einer systematischen Übersichtsarbeit betrug die geschätzte Anaphylaxierate 2,3 bis 8 pro 1.000.000 Empfängerinnen und Empfänger von COVID-19-mRNA-Impfstoffen. Ein weiteres Review berichtete bei Personen, die nach einer ersten allergischen Reaktion erneut geimpft wurden, über ein Risiko schwerer allergischer Reaktionen von 4,9%.
Darüber hinaus kam es zu Fällen von Myokarditis und Perikarditis, mit Raten zwischen 12,6 und 35,6 Fällen pro eine Million Personen. Das relative Risiko für beide Erkrankungen war nach einer Impfung aber deutlich geringer als das nach einer SARS-CoV-2-Infektion. Im Versorgungsalltag traten Myokarditis und Perikarditis nach der zweiten Dosis häufiger auf.
Ist PEG der Übeltäter?
Polyethylenglykol (PEG) in der Lipidnanopartikel-Formulierung galt zunächst als wahrscheinlichster Auslöser der Anaphylaxie. Doch weitere Studien konnten keine Rolle von Anti-PEG-IgE bestätigen.
87%iger Schutz vor Infektionen
Neben der Sicherheit bestätigen die Forschenden erneut die Wirksamkeit. In einer Analyse, die 68 Studien umfasste, schützten mRNA-Vakzinen 14–42 Tage nach der Impfung zu 87 % gegen eine SARS-CoV-2-Infektion. Zu 93 % waren sie wirksam gegen Hospitalisierungen und zu 94 % gegen den Tod. Über die Zeit nahm die Schutzwirkung ab, durch Booster-Impfungen ließ sich die Wirksamkeit aber wiederherstellen.
Weitere Studien deuteten darauf hin, dass die mRNA-Impfungen bei verschiedenen Patientenpopulationen wirksam sind, darunter Kinder, Jugendliche, immungeschwächte Personen und Schwangere.
Die mRNA-Plattform sei dabei besonders vielseitig, betonen Prof. Blakney und ihr Team. Zurzeit würden Impfungen gegen Influenza, respiratorische Synzytialviren und andere Infektionskrankheiten entwickelt, ebenso gegen Krebs.
Milliarden von Dosen verimpft
Insgesamt lege die Evidenz aus mechanistischen und randomisierten Studien sowie aus der umfassenden Sicherheitsüberwachung nach der Zulassung nahe, dass mRNA-Impfstoffe sowohl sicher als auch hochwirksam sind, so das Fazit der Forschenden. Der Wirkmechanismus der Vakzinen beruht auf der vorübergehenden Translation der mRNA im Zytoplasma, ohne Integration in das Genom. Die rasche Elimination sowohl der RNA- als auch der Lipidkomponenten trage zu einem günstigen Sicherheitsprofil bei, das sich deutlich von der Gentherapie und von persistenten viralen Vektorplattformen unterscheidet.
Über mittlerweile Milliarden verabreichter Dosen hinweg waren schwere Nebenwirkungen selten und gut charakterisiert. Sie wurden durch den erheblichen Schutz vor schwerer Erkrankung, Krankenhausaufenthalt und Tod klar aufgewogen, betonen Prof. Blakney und Kollegen.
Blakney AK et al. Lancet 2026; doi: 10.1016/S0140-6736(26)00512-X