Früherkennung kardialer Erkrankungen

Amyloidosediagnostik während der Katheterablation?

Aus der Fachliteratur
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Zum Zeitpunkt der Diagnose ist eine kardiale Amyloidose häufig bereits weit fortgeschritten.

Zum Zeitpunkt der Diagnose ist eine kardiale Amyloidose häufig bereits weit fortgeschritten. Mit einer Vorhofbiopsie im Rahmen einer Katheterablation ließe sich die Erkrankung frühzeitiger identifizieren, was die Prognose verbessern könnte.

Eine kardiale Amyloidose geht häufig mit Vorhofflimmern einher, die Prävalenz liegt bei 30–50 %. Unklar ist hingegen, wie es sich umgekehrt verhält und ob eine atriale Biopsie bei zugrunde liegendem nichtvalvulärem Vorhofflimmern dabei helfen kann, eine Amyloidose frühzeitiger zu erkennen. Um dies zu klären, führte ein Team um Kodai Shinzato, Saga-Universität, Nabeshima, Japan, bei 578 Personen während der Vorhofflimmerablation Vorhofbiopsien durch. Bei 385 von ihnen wurden zudem Gewebeproben aus dem rechten Ventrikels entnommen.

Bei 40 Patientinnen und Patienten (7 %) stellten die Forschenden atriale Amyloidablagerungen fest, darunter 25 Transthyretin(ATTR)-Amyloidosen. Im Vergleich zur Gruppe mit unauffälliger Vorhofbiopsie war ihre linksventrikuläre Hinterwand dicker (11,3 mm vs. 9,6 mm) und es fanden sich häufiger Niedervoltagebereiche im linken Vorhof.    

Unter den Personen, die sich zusätzlich einer Biopsie der rechten Herzkammer unterzogen hatten, wiesen 13 (3 %) eine Amyloidose auf (11 ATTR- und 2 Leichtkettenamyloidosen). Nicht alle mit positiver Vorhofbiopsie hatten auch einen auffälligen Befund im Ventrikel, was dem Autorenteam zufolge auf eine auf den Vorhof begrenzte Amyloidose hindeutet.    

In der Gesamtkohorte betrug die Prävalenz der Amyloidose bei über 60-Jährigen 8 %. Lagen zusätzlich zum Faktor Alter Niedervoltagebereiche (< 0,5 mV) vor, stieg die Prävalenz auf 21 %. Mit 33 % am höchsten war sie bei denjenigen ab 60 Jahren mit hypertrophierter linksventrikulärer Hinterwand (≥ 12 mm).    

Die Forschenden verglichen die Fälle mit pathologischer Vorhofbiopsie mit retrospektiven Daten von 58 Patientinnen und Patienten, bei denen zwischen 2002 und 2022 mittels einer rechtsventrikulären Biopsie klinisch eine kardiale Amyloidose diagnostiziert worden war. Im Vergleich wiesen Erstere eine signifikant dünnere Hinterwand des linken Ventrikels auf (11,3 mm vs. 15,3 mm).

Grundsätzlich erlaubt eine Vorhofbiopsie also die Früherkennung einer kardialen Amyloidose bei Personen mit nichtvalvulärem Vorhofflimmern, was für eine umsichtige Diagnostik in dieser Kohorte spricht, schreibt das Autorenteam. Die atriale Biopsie sei besonders für die Diagnose einer ATTR-Amyloidose hilfreich, das Risikoprofil des Verfahrens, z. B. im Rahmen einer Ablation oder eines Vorhofohrverschlusses, halten die Expertinnen und Experten für überschaubar.    

Shinzato K et al. Eur Heart J 2025; 46: 3437-3449; doi:    10.1093/eurheartj/ehaf332