Bradykardie bei Sportprofis: Gene schlagen Training
Ein niedriger Ruhepuls gilt als Zeichen sportlicher Fitness – doch bei Ausdauerprofis steckt mehr dahinter. Eine Studie zeigt: Nicht nur hartes Training, sondern auch genetische Faktoren bestimmen, wie langsam das Herz schlägt.
Ein Ruhepuls von nur 40 Herzschlägen pro Minute findet sich bei Ausdauersportlerinnen und -sportlern häufiger. Langjähriges Training induziert über physiologische Anpassungsprozesse im Sinusknoten eine Sinusbradykardie. Auch ein erhöhter Vagustonus spielt vermutlich eine Rolle, erläutert eine Autorengruppe um Dr. Paolo D’ambrosio von der University of Melbourne in Parkville. Doch nicht nur das Training scheint für die Sportlerbradykardie ursächlich zu sein, sondern auch eine genetische Prädisposition.
An der Studie nahmen 465Frauen und Männer teil
Die Wissenschaftlergruppe ist in einer Studie der Frage nachgegangen, inwiefern die Gene den Ruhepuls beeinflussen. An der Untersuchung nahmen 465 aktive oder ehemalige Athletinnen und Athleten teil. Alle hatten mindestens fünf Jahre lang Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen, Langstreckenlauf, Rudern oder Triathlon auf Wettkampfniveau betrieben. Die Männer und Frauen absolvierten eine kardiopulmonale Leistungsdiagnostik, eine Echokardiografie, eine Kardio-MRT, ein EKG sowie ein Langzeit-EKG. Auch eine genetische Analyse von Blutproben zur Bestimmung eines herzfrequenzassoziierten polygenen Risikoscores (HF-PRS) war Teil der Studie. Niedrige Punktwerte im HF-PRS korrelieren dabei mit einem langsameren Puls.
Bei 175 der Untersuchten (38 %) fielen im Langzeit-EKG Herzfrequenzen von 40 bpm oder weniger auf. Pausen von zwei Sekunden oder mehr zwischen den Herzaktionen waren bei einem Viertel der Untersuchten zu beobachten. Beides korrelierte jedoch im Verlauf von median 5,5 Jahren Beobachtungszeit nicht mit einem erhöhten Komplikationsrisiko. Schwerere Bradykardien, längere Pausen bzw. EKG-Veränderungen im Sinne eines AV-Block II Typ Mobitz 1 waren im Studienkollektiv selten.
Die bradykarden Personen waren häufiger Männer, jünger und schlanker, wiesen eine höhere Fitness auf und trainierten intensiver. Ihre Herzbildgebung zeigte zudem ein stärkeres kardiales Remodeling. Im Vergleich zu den nichtbradykarden Sportlerinnen und Sportlern lagen ihre durchschnittlichen HF-PRS signifikant niedriger.
D‘Ambrosio P et al. Circulation 2026; 153: 616-630; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.125.076170