Erwachsenen mit Herzfehler zu mehr Sport verhelfen
Auch Erwachsene mit angeborenem Herzfehler sollen aktiv bleiben. Dafür braucht es allerdings regelmäßige und mitunter umfangreiche Check-ups. Insbesondere die Spiroergometrie kann helfen, Risiken zu erkennen und Sport individuell zu dosieren.
Sportverbote für herzkranke Patientinnen und Patienten waren gestern. Auch Erwachsenen mit angeborenem Vitium soll körperliche Betätigung aktiv empfohlen werden, um ihren Gesundheitsstatus zu verbessern. Dafür braucht es allerdings regelmäßige und mitunter umfangreiche Check-ups.Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) haben häufig mit einer verminderten Leistungsfähigkeit und funktionellen Einschränkungen zu kämpfen. Diese Defizite können die Hospitalisierungsrate sowie die Sterblichkeit in die Höhe treiben. Das Problem: Betroffene berichten selten über entsprechende Limitationen. Denn der Leistungsabfall kann langsam über Jahre erfolgen, mit unmerklichen Veränderungen im Symptomstatus, heißt es in der aktuellen US-amerikanischen EMAH-Leitlinie.
Die gemessene Belastungsfähigkeit variiert stark innerhalb einer NYHA-Klasse. Es reicht daher nicht aus, nur die Beschwerden zu erfassen. Die federführenden Fachgesellschaften ACC und AHA* halten die Spiroergometrie für eine geeignete objektivere Methode sowohl zum initialen Assessment als auch im Verlauf (Klasse-2a-Empfehlung). Sie gibt u. a. Auskunft über das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, erleichtert Therapieentscheidungen und erlaubt ein besseres Timing von chirurgischen Eingriffen. Ebenso kann sie nützlich sein, um Trainingsempfehlungen individuell zuzuschneiden und anzupassen.
Kommt die Spiroergometrie für EMAH-Patientinnen und -Patienten aufgrund von körperlichen Einschränkungen nicht infrage, bietet sich ein Sechs-Minuten-Gehtest an. Auch mit ihm lässt sich die Symptomlast objektivieren und das Therapieansprechen z. B. bei begleitender pulmonalarterieller Hypertonie beurteilen. Ergänzt werden kann die Untersuchung durch semiquantitative Messverfahren wie die Borg-Skala.Bei den meisten Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler steht einer regelmäßigen, moderaten Betätigung nichts im Weg. Aktive Patientinnen und Patienten profitieren nachweislich von einer verbesserten funktionellen Kapazität. Um adäquat bzgl. Sportart und -intensität beraten zu können, soll das Aktivitätslevel in festen Abständen kontrolliert werden (Klasse-1B-Empfehlung). Als Belastungstest eignen sich je nach Verfügbarkeit Spiro-, Fahrrad- oder Laufbandergometrie.
Abhängig vom klinischen Status kann man Freizeitsport mit milder (< 3 MET**; 40–50 % der geschätzten maximalen Herzfrequenz) oder moderater (3–6 MET; 50–70 % der maximalen Frequenz) Intensität vorschlagen. Bestimmte Umstände wie hämodynamisch signifikante Arrhythmien oder Ausflusstraktverengungen erfordern jedoch zurückhaltendere Ratschläge.Sogar Leistungssport mit systematischem Training ist trotz kardialem Vitium möglich. An Voraussetzungen nennt die Leitlinie eine umfassende Evaluation und individuelle Risiko-Nutzen-Bewertung. Die notwendigen Untersuchungen können von Leistungstests über Rhythmusmonitoring bis hin zur Bildgebung reichen. Das Ziel lautet, den Leistungssport innerhalb eines sicheren Rahmens zu ermöglichen. Empfehlungen hierzu basieren aufgrund der spärlichen Datenlage auf einem Expertenkonsens.
*American College of Cardiology, American Heart Association
**metabolisches Äquivalent
Gurvitz M et al. J Am Coll Cardiol 2025: S0735-1097(25)07763-0; doi: 10.1016/j.jacc.2025.09.006