Häusliche Blutdruckmessung: Niedrigerer Cut-off verbessert Diagnostik
Wie lässt sich eine Hypertonie besser demaskieren? Eine Studie zeigt, dass ein niedrigerer Grenzwert bei der häuslichen Blutdruckmessung die diagnostische Trefferquote erhöht. Zudem gibt es wohl einen kritischen Graubereich.
Wird in der Praxis ein normaler Blutdruck gemessen, kann das täuschen. 10–30 % der Erwachsenen haben eine maskierte Hypertonie und die diagnostische Fehleinschätzung lässt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und organbezogene Schäden steigen, schreibt eine Arbeitsgruppe um Dr. Jaehoon Chung vom Dongguk-Universitätsklinikum in Goyang, Korea. Leitlinien befürworten daher auch Blutdruckmessungen außerhalb der Praxis. Doch reichen die aktuellen Cut-off-Werte für eine zuverlässige Diagnostik aus?
Über sieben Tage wurde jeweils morgens und abends zu Hause gemessen
Für die häusliche Messung liegt die Grenze zwischen normal und auffällig bei 135/85 mmHg. Die Forschenden prüften, ob ein Herabsetzen auf 130/80 mmHg die Genauigkeit des Verfahrens verbessert. 646 Personen mit Verdacht auf Hypertonie wurden in die prospektive Studie aufgenommen. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 52 Jahre alt und knapp die Hälfte waren Männer. Keine bzw. keiner hatte bisher eine antihypertensive Therapie erhalten.
Der mittlere Praxisblutdruck aller Personen wurde anhand mehrerer Messungen, die an drei verschiedenen Terminen unter standardisierten Bedingungen erfolgten, berechnet. Außerdem sollten die Teilnehmenden über sieben Tage jeweils morgens und abends ihren Blutdruck zu Hause erfassen (je drei Messungen mit einminütigem Abstand). Danach wurde zusätzlich eine ambulante Langzeitmessung durchgeführt. Auf Grundlage der erhobenen Werte teilte man die Untersuchten je nach Phänotyp in Normotonie, Weißkittel-, maskierte und anhaltende Hypertonie ein.
Diagnostische Grauzone zwischen 130/80 und 134/84 mmHg
Durch das Herabsetzen des Heimblutdruck-Cut-offs stieg die diagnostische Sensitivität von 72,3 % auf 89,5 %, während die Spezifität von 81,8 % auf 69,1 % abnahm. Die Treffsicherheit erhöhte sich dadurch insgesamt von 73,1 % auf 87,8 %. Bei einem Schwellenwert von 135/80 mmHg wurden 63,2 % der maskierten Hypertonien und 15,1 % der Personen mit dauerhaftem Bluthochdruck fälschlicherweise als normal eingestuft. Mit dem niedrigeren Cut-off sanken diese Quoten auf 30,3 % bzw. 3,4 %.
Unter Patientinnen und Patienten mit häuslichen Werten zwischen 130/80 mmHg und 134/84 mmHg fand sich ein hoher Anteil maskierter (32,9 %) und persistierender Hypertonien (11,7 %). In dieser Untergruppe kam ein isolierter nächtlicher Hochdruck bei 35,7 % und eine kombinierte Tages- und Nacht-Hypertonie bei 13,5 % vor. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Autorengruppe, entweder den Schwellenwert für die häusliche Messung herabzusetzen oder den Bereich von 130/80 mmHg bis 134/84 mmHg als diagnostische Grauzone mit Indikation zur Langzeitblutdruckmessung zu deklarieren.
Chung J et al. J Hypertens 2026; doi: 10.1097/HJH.0000000000004259