Junge Menschen unter Druck

Hypertonie bei jungen Erwachsenen nicht übersehen

Aus der Fachliteratur
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Zwei Experten erläutern mögliche Ursachen und notwendige diagnostische Maßnahmen bei früh auftretendem Bluthochdruck.

Schon vor dem 40. Lebensjahr entwickeln rund 9 % der Erwachsenen eine arterielle Hypertonie. Besonders häufig stecken sekundäre Ursachen dahinter – und die gilt es gezielt zu erkennen, bevor Organschäden entstehen.

Etwa 9 % der Erwachsenen erkranken vor dem 40. Lebensjahr an Hypertonie. Insbesondere sekundäre Hochdruckformen, aber auch die isolierte systolische Hypertonie kommen in jüngerem Alter häufiger vor als in der älteren Patientenklientel. All das erfordert eine gezielte Diagnostik.

Auch in jungen Jahren erhöht eine Hypertonie das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten und Ereignisse, wie epidemiologische Daten zeigen. Allerdings sind Scores zur Risikobewertung (z. B. SCORE2) erst ab einem Alter von 40 Jahren anwendbar. Dies ändert nichts daran, dass eine Hypertonie auch bei jüngeren Menschen frühzeitig entdeckt werden muss, betonen Dr. Jannis Frerk und Prof. Dr. Manuel Wallbach von der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der Universitätsmedizin Göttingen. Das kann nur gelingen, wenn man alle Menschen ab 18 Jahren opportunistisch auf eine Hypertonie screent, so wie es die europäische Leitlinie zum Bluthochdruck vorsieht.

Stellt man eine Hypertonie fest, kann die kardiovaskuläre Familienanamnese Hinweise auf genetische Ursachen liefern. Weitere Punkte von Interesse sind:

Bei der körperlichen bzw. ergänzenden apparativen Untersuchung geht es primär darum, bereits bestehende Endorganschäden zu detektieren. Gewicht und Taillenumfang sollten ebenso erhoben werden wie einige Laborparameter (Hämoglobin, Blutzucker, HbA1c, Lipide, Elektrolyte und Serum-Kreatinin). Empfohlen wird auch, die eGFR und die Albuminausscheidung zu messen, die auf eine hypertensive Nephropathie hinweisen können.

Vor allem bei schwerer Hypertonie in jungem Erwachsenenalter sollte ein Screening auf behandelbare Ursachen erfolgen. Sekundäre Hypertonieformen wie primärer Hyperaldosteronismus, Phäochromozytom, Nierenarterienstenose oder Aorten­isthmusstenose machen bei jüngeren Menschen etwa 10 % aller Fälle aus. Meist handelt es sich dann um eine schwere, oft therapieresistente Hypertonie. Im 24-h-Blutdruckprofil fehlt die nächtliche Absenkung.

Nierenarterienstenose mittels Duplexsonografie erkennen

Zum Ausschluss renovaskulärer oder renoparenchymaler Erkrankungen dienen eine Urinuntersuchung, ergänzt durch eine Nierensonografie bei Auffälligkeiten. Eine Nierenarterienstenose lässt sich duplexsonografisch erkennen. Bei Jüngeren beruht diese häufiger auf einer fibromuskulären Dysplasie. Therapie der Wahl ist in diesem Fall die perkutane transluminale Angioplastie. Hinweise auf eine Aorten­isthmusstenose sind ein abgeschwächter Femoralis­puls, ein Gradient im systolischen Blutdruck zwischen oberer und unterer Extremität und ein systolisches Herzgeräusch.

Die zwei Typen der isolierten systolischen ­Hypertonie

Häufiger als bei älteren Erwachsenen tritt bei jüngeren eine isolierte systolische Hypertonie (ISH) auf. Dabei müssen zwei Typen unterschieden werden. Der erste Typ wird als gutartig betrachtet und braucht entsprechend oft keine Therapie. Zugrunde liegt im Wesentlichen eine hyperkinetische Herzfunktion mit sympathikoadrenerger Aktivierung und erhöhtem Schlagvolumen. Der zentrale Blutdruck ist dabei meist normal. Diese Form der ISH trifft vorwiegend sportlich aktive, meist groß gewachsene Menschen ohne weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren. Krankheitswert mit Behandlungsbedarf besitzt dagegen eine zweite Form der ISH, die in Verbindung mit kardiovaskulären Risikofaktoren, vor allem Adipositas, hohem Salzkonsum und Rauchen, auftritt. Typisch ist eine erhöhte Pulswellengeschwindigkeit, wahrscheinlich bedingt durch eine gesteigerte Gefäßsteifigkeit. Das Schlagvolumen ist normal, der zentrale Blutdruck jedoch erhöht.

Bildgebung bei erhöhtem Aldosteron-Renin-Quotienten

Wenn renale Ursachen ausgeschlossen werden konnten, sollte man nach einer endokrinen Ursache suchen. Hierbei spielt vor allem der primäre Hyperaldosteronismus eine Rolle. Er beruht meist auf einem aldosteronproduzierenden Adenom. Als primäre diagnostische Maßnahme wird der Aldosteron-Renin-Quotient ermittelt. Bei erhöhten Werten folgt die bildgebende Diagnostik.

Eine weniger häufige endokrine Ursache für eine meist therapierefraktäre Hypertonie ist das Phäo­chromozytom (intraadrenal) bzw. Paragangliom (extraadrenal). Die Symptome wie Palpitationen, Schwitzen oder Flush mit Kopfschmerzen beruhen auf der tumoralen Katecholaminsekretion. Bei persistent erhöhten Metanephrinspiegeln im Plasma oder im 24h-Sammelurin wird eine weiterführende Diagnostik eingeleitet. Selten kommt auch ein Cushing-Syndrom als endokrine Ursache einer Hypertonie in Betracht. Und auch die obstruktive Schlafapnoe gehört zu den möglichen Ursachen einer sekundären Hypertonie.

Frerk JM, Wallbach M. internistische praxis 2026; 69: 309-322

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