Risikostratifizierung bei Herzinsuffizienz

NT-proBNP ist nach Therapiestart aussagekräftiger als die EF

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Biomarker wie NT-proBNP könnten helfen, die Herzinsuffizienztherapie gezielter zu steuern.

Bei einer HFrEF liefert die Ejektionsfraktion nach Beginn der medikamentösen Therapie nur begrenzt prognostische Informationen. Der NT-proBNP-Spiegel hingegen ist für das Einjahres-Risiko hochrelevant.

Bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) ist die LVEF einer der wichtigsten Parameter zur Verlaufskontrolle. Allerdings scheint sie den heterogenen Phänotypen und Verläufen der HFrEF nicht mehr gerecht zu werden. Biomarker wie NT-proBNP könnten helfen, Betroffene hinsichtlich ihres Risikos besser zu stratifizieren und so die Therapie gezielter zu steuern.

Die meisten Teilnehmenden erhielten mindestens zwei Wirkstoffe

Forschende um ­Nandan ­Kodur vom Cleveland Clinic Lerner College of Medicine analysierten retrospektiv Daten von 6.168 Personen (medianes Alter 68 Jahre, 37,2 % Frauen) mit HFrEF nach Beginn einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie. Die Mehrheit erhielt mindestens zwei verschiedene Wirkstoffe. Als Baseline wurde ein Zeitpunkt von etwa neun Monaten nach Diagnosestellung definiert, an dem LVEF und NT-proBNP kontrolliert worden waren. Das Autorenteam verglich die kombinierte prognostische Aussagekraft beider Parameter im Hinblick auf den primären Endpunkt, das Risiko für herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen oder Tod jeglicher Ursache.

Während einer Follow-up-Dauer von median 15 Monaten trat dieser Endpunkt bei 3.522 Personen ein. NT-proBNP erwies sich über das gesamte LVEF-Spektrum hinweg als starker Prädiktor. Bereits leicht bis mäßig erhöhte NT-proBNP-Werte (125–1.000 pg/ml) waren mit einem signifikant erhöhten adjustierten Einjahres-Risiko verbunden. Zwar lieferte auch die LVEF unabhängige prognostische Informationen, doch mit dem Biomarker gelang es, das residuelle Risiko der Betroffenen deutlich besser zu differenzieren.

NT-proBNP bei erholter Ejektionsfraktion besonders aussagekräftig

Das Autorenteam hebt die Aussagekraft des natriuretischen Peptids insbesondere bei einer erholten oder wiederhergestellten Ejektionsfraktion hervor. Beispielsweise trugen Patientinnen und Patienten mit einer LVEF ≥ 50 % und einem NT-proBNP von 0–124 pg/ml ein 5%iges Risiko für den primären Endpunkt. Lag der Biomarker bei gleicher EF bei 600–999 pg/ml, ergab sich ein Einjahres-Risiko von 14 %. Der verstärkte Blick auf das NT-proBNP könnte künftig eine raschere Therapieeskalation ermöglichen.

Kodur N et al. J Am Heart Assoc 2026; doi: 10.1161/JAHA.125.047015

Alexandra Simbrich

Freie Autorin
Alexandra Simbrich ist als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig. Ihre Themenschwerpunkte: Neurologie und Psychiatrie, Dermatologie, Onkologie und Hämatologie, Schmerzmedizin, Gastroenterologie, Diabetologie sowie Komplementär- und Alternativmedizin.

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