Prognosetool

Koronare Atherosklerose: Fragebogen statt CT?

Erschienen am: 
|
Aktualisiert am:
|Lesezeit: 2 Min
Im Fokus standen Teilnehmende ohne bekannte KHK, die eine CT-Angiografie (n = 25.182) und/oder eine Messung des Kalziumscores (n = 28.701) erhalten hatten.

Die im CT nachgewiesene koronare Atherosklerose gilt als Zeichen eines erhöhten kardiovaskulären Risikos. 

Die umfassendsten Informationen liefert die koronare CT-Angiografie, u. a., weil sie auch nicht kalzifizierte Läsionen zutage bringt. Allerdings ist die Bildgebung nicht immer verfügbar, kostenintensiv und mit Strahlenbelastung verbunden, schreibt ein Team um Prof. Dr. Göran Bergström von der Universitätsklinik in Göteborg. Anhand von Daten der Swedish CardioPulmonary Biolmage Study (SCAPIS), die abseits der Bildgebung erhoben worden waren, entwickelte es einen Patientenfragebogen, um gefährdete Personen zu identifizieren.

Prognosetool auf Basis von 14 Faktoren entwickelt

Im Fokus standen Teilnehmende ohne bekannte KHK, die eine CT-Angiografie (n = 25.182) und/oder eine Messung des Kalziumscores (n = 28.701) erhalten hatten. Aus deren Angaben zu 14 Faktoren entstand ein Prognosetool, das Patientinnen und Patienten künftig selbst ausfüllen könnten. Abgefragt wurden u. a. Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Rauchstatus, aktuelle Medikation und Familienanamnese.

Ziel des Tools war es, Personen mit moderater bis schwerer Koronarsklerose – definiert als segment involvement score (SIS) ≥ 4 oder Kalziumscore ≥ 100 – herauszufiltern. Den Fragebogen verglichen die Forschenden mit einem weiteren Prognosetool, das auf den 14 Selbstauskunftfaktoren und 9 klinischen Parametern (z. B. Herzfrequenz, HbA1c) basierte. Als externe Validierungskohorte diente die SCAPIS-Pilotstudie mit 1.111 Teilnehmenden.

Beide Tools erkannten mit hoher bis exzellenter Trennschärfe einen SIS ≥ 4, so das Autorenteam. Die reine Selbstauskunft schnitt in ihrer prognostischen Aussagekraft nur geringfügig schlechter ab als das kombinierte Modell: Unter den Hochrisikopersonen ließen sich 64,6 % bzw. 67,3 % derjenigen mit einem SIS ≥ 4 dingfest machen.

Laut den Forschenden eignet sich der Fragebogen als kosteneffiziente Vorscreening-Maßnahme. Personen mit mittelschwerer bis schwerer Koronarsklerose können dadurch effektiv identifiziert und ggf. mittels kardialer Bildgebung weiter untersucht werden. Betroffene profitieren dann noch gezielter von präventiven Therapien, so die Hoffnung.

Quelle: Bergström G et al. J Am Heart Assoc 2024; DOI: 10.1161/JAHA.124.034603

Das könnte Sie auch interessieren

Erhöhte Triglyceride: Auswirkungen auf das Atherosklerose-Risiko
Erhöhte Triglyceride: Auswirkungen auf das Atherosklerose-Risiko
Frage: Seit Jahren gibt die KV die Bestimmung des Triglyceridspiegels beim Gesundheitscheck verbindlich vor. Dabei gilt ein Wert ab 150 mg/dl als pathologisch. Dieser Bereich geht bis 1.000 mg/dl. Es fällt mir schwer, diesen riesigen Bereich zu bewerten, zumal es früher hieß, die Triglyceride seien gefäßneutral. 150 mg/dl erscheint mir extrem niedrig. Gibt es belastbare Daten zur Steigerung des atherogenen Risikos für „moderate“ Erhöhungen? Fibrate haben wie alle Medikamente Nebenwirkungen, die es gegen den potenziellen Nutzen abzuwägen gilt, wobei heutzutage auch der Patienteinbezogen werden muss. Gibt es Daten zur 10-Jahres-Inzidenz für Herz- und Hirninfarkte durch Nichttherapie einer TG-Erhöhung zwischen 150 und 199 mg/d?