Aortenstenose mittels Seismokardiografie erkennen
Die rechtzeitige Diagnose einer klinisch signifikanten Aortenstenose gestaltet sich mitunter schwierig. Als kostengünstige nichtinvasive Methode könnte sich die Seismokardiografie eignen. Forschende aus Finnland haben einen entsprechenden Algorithmus entwickelt.
Nicht immer ist eine zeitnahe Echokardiografie zur Bestätigung einer Aortenstenose (AS) verfügbar. Da Klappenerkrankungen ebenso wie kardiovaskuläre Leiden insgesamt in der Bevölkerung zunehmen, bedarf es nichtinvasiver diagnostischer Ansätze, die auch außerhalb des kardiologischen Settings genutzt werden können, schreibt ein Team um Dr. Jouni Pykäri vom Universitätskrankenhaus im finnischen Turku. Die Seismokardiografie ist ein solcher Ansatz (s. Infobox).
Die Forschenden haben einen Algorithmus entwickelt und validiert, der mithilfe nichtinvasiv erhobener Sensordaten eine schwere AS erkennen kann. Hierzu verwendeten sie ein Gerät, das neben den Seismokardiografie-Signalen über zwei zusätzliche Elektroden auch ein Ein-Kanal-EKG aufzeichnen konnte. In einer ersten Studienphase wurden bei 115 Teilnehmenden im mittleren Alter von 73,8 Jahren Daten gesammelt, um den Algorithmus zu trainieren. 56 Personen wiesen nachweislich eine schwere symptomatische Aortenstenose auf, 59 weitere dienten als Kontrollgruppe.
Was ist Seismokardiografie?
Ob Klappenbewegungen, Myokardkontraktionen oder Blutfluss – die mechanischen Prozesse während eines Herzzyklus führen zu Vibrationen. Mittels Seismokardiografie lassen sich diese kardialen Mikroerschütterungen messen. Ein Beschleunigungssensor wird hierzu einfach auf dem Brustbein platziert. Algorithmen leiten aus den erfassten Signalen z. B. Informationen über die Herzfunktion ab. Der Einsatz der Technologie wird bei diversen kardialen Erkrankungen untersucht.
Das fertige Modell wurde dann in einer unabhängigen zweiten Studienphase getestet. Daran beteiligten sich 99 Personen, 50 mit schwerer symptomatischer AS und 49 alters- und geschlechts-gematchte Kontrollen. Die Entwicklerinnen und Entwickler des Algorithmus waren bzgl. der Diagnose und demografischer Faktoren verblindet. Die Messungen mit dem auf dem Sternum platzierten Gerät erfolgten in beiden Studienphasen im Liegen und dauerten im Durchschnitt etwa neun bzw. fünf Minuten.
Der Algorithmus lag in 89 der 99 Fälle richtig. Vier echte Aortenstenosen wurden nicht erkannt und sechs Kontrollpersonen fälschlicherweise als klappenkrank eingeordnet. Entsprechend betrug die Sensitivität 92 % und die Spezifität 87,8 %. Aufgrund dieser hohen Genauigkeit sieht das Autorenteam in der Seismokardiografie ein kostengünstiges potenzielles Screening- und Diagnose-Tool, um eine schwere AS zu detektieren. Jedoch müsse die Technologie zunächst in diverseren Populationen evaluiert werden.
Pykäri J et al. Open Heart 2026; 13: e003563; doi: 10.1136/openhrt-2025-003563