Adipositas und Infektionsrisiken

Mit dem BMI steigen die Infektionsrisiken

Aus der Fachliteratur
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Eine finnische Studie belegt den Zusammenhang zwischen Gewicht und Infektionsanfälligkeit.

Schon moderates Übergewicht erhöht das Risiko für schwere Infektionen deutlich, bei schwerer Adipositas sogar um bis zu 200 %. Weltweit sterben Millionen an den Folgen.

Menschen mit Adipositas tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für Infektionen. Bereits moderates Übergewicht steigert gegenüber Normalgewichtigen die Infektionsanfälligkeit messbar, berichtet eine Wissenschaftlergruppe um Dr. ­Solja ­Nyberg vom Uniklinikum in ­Helsinki .

In einer Studie hatte das Team den Zusammenhang zwischen Body-­Mass-Index und 925 bakteriellen, viralen, parasitären und mykotischen Infektionskrankheiten untersucht. Zur Auswertung kamen die Daten von 67.766 Erwachsenen aus zwei finnischen Kohorten sowie 479.498 Datensätze der UK Biobank. Das mittlere Alter lag bei 42 Jahren in den finnischen Kohorten bzw. bei 57 Jahren in der UK-Biobank-­Kohorte. Der Frauenanteil betrug 73 % bzw. 54 %.

Risiko für Klinikaufenthalt und Tod bei Übergewicht deutlich erhöht

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nach BMI-Kategorien eingeteilt: Normalgewicht (18,5–24,9 kg/m²), Übergewicht (25,0–29,9 kg/m²) sowie Adipositas Grad I (30,0–34,9 kg/m²), Grad II (35,0–39,9 kg/m²) und Grad III (≥ 40,0 kg/m²). Über nationale Register erfassten die Forscher Krankenhausaufenthalte und Todesfälle durch Infektionen über einen durchschnittlichen Zeitraum von 14,1 Jahren (finnische Kohorten) bzw. 12,6 Jahren (UK ­Biobank).

Adipositas erhöht das Risiko für eine Klinikeinweisung und für Tod infolge einer Infektionskrankheit erheblich, fassen Dr. Nyberg et al. das Ergebnis ihrer Arbeit zusammen. So weisen adipöse Menschen im Vergleich zu Personen mit einem gesunden BMI ein um 70 % höheres Risiko auf, aufgrund einer Infektionskrankheit in die Klinik zu müssen oder deswegen zu sterben.

Infektiologie unerwünscht?

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) warnt angesichts dieser Daten vor einer Aushöhlung der infektionsmedizinischen Versorgung in Deutschland. Das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) sehe u. a. die Streichung der Leistungsgruppe Infektiologie vor, heißt es in einer Pressemitteilung. Parallel ende 2026 die Förderung der infektiologischen Weiterbildung im Krankenhausentgeltgesetz. Ohne eine Leistungsgruppe lasse sich spezialisierte Infektiologie aber kaum finanzieren, so die DGI. Dabei verbessere die Einbindung von Fachärztinnen und Fachärzten der Infektiologie die Überlebenschancen bei schweren Infektionen um bis zu 20 % und senke den Antibiotikaverbrauch.

Das Infektionsrisiko nimmt der Auswertung zufolge mit steigendem BMI kontinuierlich zu. In den finnischen Kohorten erhöhte sich im Vergleich zu Normalgewichtigen die Wahrscheinlichkeit für schwere Infektionen bei Adipositas Grad I um 48 %, bei Grad II um 92 %, bei Grad III um 175 % . Die Daten der UK Biobank ergaben Risikoerhöhungen von 55 %, 111 % bzw. 207 %. Bereits Übergewicht brachte das Risiko um 11 % bzw. 15 % nach oben.

Die Autorengruppe schätzt, dass für das Jahr 2023 global etwa 10,8 % aller infektionsbedingten Todesfälle auf Adipositas zurückzuführen sind. In absoluten Zahlen sind das 0,6 Mio. Sterbefälle. Im Pandemiejahr 2021 waren es 15 % (2,0 Mio.), im Jahr 2018 geschätzt 8,6 % (0,4 Mio.).

Nyberg ST et al. Lancet 2026;doi: 10.1016/S0140-6736(25)02474-2

Tobias Stolzenberg

Tobias Stolzenberg

Redakteur Medical Tribune
Nach dem Studium an der Universität Mainz war Tobias Stolzenberg für verschiedene Fachverlage und Unternehmen der Pharma-, Chemie- und Biotechbranche tätig. Seit 2015 arbeitet er für Medical Tribune, zunächst als freier Mitarbeiter, später als festangestellter Medizinredakteur. Seine Artikel behandeln medizinische und wissenschaftliche Themen, mit besonderem Schwerpunkt auf der Allgemeinmedizin. Tobias Stolzenberg ist auch Redakteur und Interviewer für den Podcast O-Ton Allgemeinmedizin.

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