Nicht zurück in die Steinzeit

Gezielte Prophylaxe beugt Nierenkonkrementen vor

Aus der Fachliteratur
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Bei Nierensteinen besteht ein hohes Rezidivrisiko.

Bei Nierensteinen besteht ein hohes Rezidivrisiko. Eine individuelle Ernährungsberatung könnte die Rückfallraten offenbar verbessern.

Rund 11 % der Männer und 7 % der Frauen leiden an Nierensteinen. Am häufigsten handelt es sich dabei um Kalziumoxalatsteine, gefolgt von Kalziumphosphat- und Harnsäuresteinen. Ohne Präventionsmaßnahmen besteht nach dem ersten Steinereignis ein hohes Rezidivrisiko – nach fünf Jahren liegt es bei 27 %, nach acht Jahren bei 53 %. Durch eine auf die individuelle Steinzusammensetzung angepasste Ernährung lässt sich der Konkrementbildung vorbeugen, wie belgische und französische Forschende um Dr. ­Els ­Van de Perre vom Universitäts­klinikum Brüssel berichten.

In den Jahren 2004 bis 2020 erhielten 490 Menschen mit Nierensteinen in der Klinik eine gezielte Steinprophylaxe. Diese berücksichtigte unter anderem die medizinische Vorgeschichte der Betroffenen, Bildgebungsbefunde, die Ergebnisse chemischer Konkrementanalysen sowie zahlreiche metabolische Faktoren inklusive Blut- und Urinparameter.

Mehr Obst und Gemüse, weniger Salz

Alle Patientinnen und Patienten wurden zu einer Steigerung der Trinkmenge, zum häufigen Obst- und Gemüseverzehr, zu einer Senkung der Salz- sowie zu einer Normalisierung der Eiweiß- und Kalziumzufuhr angehalten. Weitere Maßnahmen umfassten – je nach individueller Konstellation – die Reduktion der Oxalatzufuhr, eine Kalziumsupplementierung, die Urin­alka­li­sie­rung oder eine purin­arme Diät. Bei Bedarf wurden u. a. Diuretika, Allopurinol oder Fe­bu­xo­stat verordnet.

Im Verlauf von median 12,8 Monaten Nachbeobachtungszeit besserten sich infolge der Prophylaxe die metabolischen Hauptrisikofaktoren, also das Urinvolumen, die Oxalat-, die Kalzium- und die Zi­tratausscheidung, bei entsprechend vorbelasteten Personen signifikant. Gleiches galt für die relative Kal­zium­oxalat-Supersättigung sowie den Tiselius-Risikoindex, der das Risiko für die Bildung von Nierensteinen quantifiziert. Die Optimierung der metabolischen Situation schlug sich darüber hinaus in einem klinischen Vorteil nieder: Nach dem Beginn der Steinprophylaxe nahmen die Nierenkolikrate und die urologische Interventionsrate signifikant ab: von 0,82 auf 0,21 bzw. von 0,31 auf 0,21 pro 1.000 Risikotage.

Nierensteinkranke, die konsequent reichlich trinken und individuell zugeschnittene Ernährungsempfehlungen beherzigen, könnten ihr renales Kristallisationsrisiko dauerhaft senken, Koliken vorbeugen und müssten sich seltener invasiven Eingriffen unterziehen, unterstreichen die Forschenden. Allerdings geben sie den retrospektiven Charakter ihrer Analyse sowie das Fehlen einer Kontrollgruppe zu bedenken.

Van de Perre E et al. Kidney Int Rep 2025;11: 103719; doi: 10.1016/j.ekir.2025.103719